Max Raabe und das Palast Orchester brillieren bei den Schlossfestspielen von Thurn und Taxis
"Heute Nacht oder nie will ich dich fragen, ob du deine Liebe mir gibst." Max Raabe machte bereits in seinem ersten Lied klar: An diesem Abend ging es um die Liebe. Wie findet man sich, wie lernt man sich kennen, wie wird man sich wieder los? Solch existenzielle Fragen suchte der Berliner Entertainer auf Schloss Thurn und Taxis mit Schlager-Klassikern der 20-er und 30-er Jahre zu beantworten. Gemeinsam mit dem Palast Orchester trat Max Raabe bei den diesjährigen Schlossfestspielen auf. Auf dem Programm stand die neueste Tourneeproduktion "Heute Nacht oder nie."
Die Sprache voller Schliff, die Miene voll stoischer Gelassenheit und die Hände beim Singen eng an den Körper gelegt: Max Raabe, wie man ihn kennt und liebt, trat dem Regensburger Publikum mit der ihm eigenen Mischung aus Nonchalance und Distanz gegenüber. Mit schnarrender Stimme verriet er kleine Tricks zum Thema Frauen. "Man sagt zu einer Dame nicht beim ersten Mal ,Komm mit!", gab er singend zu bedenken und warnte die Männerwelt außerdem vor dem Gebrauch selbstverfasster Stabreime zu Beginn einer Liaison. Immerhin gebe es für solche Gelegenheiten ein ergiebiges Repertoire an bewährten Texten. Zum Beispiel: "Was ist los mit dir, und wie ist dir mit mir?", wie schon Leo Monosson 1930 in "Mir ist so nach dir" dichtete.
Max Raabe und das Palast Orchester brillieren bei den Schlossfestspielen von Thurn und Taxis
Abend voller Glamour
Mischa Spoliansky, Fritz Kreisler, Friedrich Hollaender und immer wieder die Comedian Harmonists: Max Raabe brachte mit Klassikern und Neuentdeckungen aus der Zeit der Weimarer Republik das Lebensgefühl der 1920-er und frühen 1930-er Jahre zum Ausdruck. Gemeinsam mit dem Palast Orchester, dessen zwölf Mitglieder ihrerseits nicht nur exzellente Musiker sind, sondern ihr Spiel auch durch Mimik und Gestik kommentierend vortrugen, bescherte Raabe dem Publikum einen Abend voller Glamour.
Mit trockener Ironie widmete sich Raabe Angelegenheiten wie denen der Elisabeth, die, wenn sie nicht so schöne Beine hätt", "hätt viel mehr Freud an ihrem neuen langen Kleid". Bei Evergreens wie "Mein kleiner grüner Kaktus" von den Comedian Harmonists lief Raabe mit seinen von Witz gespickten Interpretationen zu Höchstform auf. Aber es geht bei ihm auch ohne Ironie, wie er an diesem Abend immer wieder durch melancholische Stücke bewies. "Liebesleid" von den Harmonists sang er voller Gefühl und nur vom Flügel begleitet. Dass dies in keinster Weise kitschig wirkte, spricht wiederum für den vorzüglichen Interpreten Max Raabe.
Max Raabe und das Palast Orchester brillieren bei den Schlossfestspielen von Thurn und Taxis
Erst Opernsänger als Ziel
Das Publikum - nicht nur in Regensburg sondern auch in New York, Tokio, Paris und Moskau, wo Max Raabe und das Palast Orchester ebenso begeistert bejubelt wurden - kann von Glück sprechen, dass Raabe von seinem ursprünglichen Wunsch abgekommen ist. Denn eigentlich wollte der mit einem biegsamen Bariton gesegnete Opernsänger werden.
Die Erfolge seines 1986 gegründeten Palast Orchesters lenkten ihn auf einen anderen Weg und bescherten letztendlich auch den Besuchern der Thurn und Taxis-Schlossfestspiele einen stilvollen und kurzweiligen Musikgenuss. Nicht nur bei den Sängern kam daher Wehmut auf, als Max Raabe schließlich im Quartett mit Michael Enders, Jörn Ranke und Rainer Fox hauchte: "Auf Wiederseh'n, my Dear."
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