Von Rudolf Barrois  |  23.04.2008  | Netzcode: 1354392
Weiden

Der Mensch als sündhafte Satire

Schauspieler Bernd Surholt mimt Geschichten von Wilhelm Busch bei Weidener Literaturtagen

Schauspieler Bernd Surholt nahm am Montag im
Schauspieler Bernd Surholt nahm am Montag im Augustinus Gymnasium - vor ausverkauftem Haus - bei "Helene in Szene" das Publikum der Literaturtage mit auf eine amüsante Wilhelm-Busch-Theaterreise. Bild: apz
Weiden. Der Mensch, ein "lederner Sack voller Kniffe und Pfiffe": Von den 115 Zuhörern, die am Montagabend Wilhelm Buschs Antonius, seine Helene und den Dichter Bählamm auf der Bühne in der Mensa des Augustinus-Gymnasiums Weiden auf und ab spazieren sahen, traute sich vermutlich keiner am Ende, wie Onkel Nolte zu sagen: "Gott sei Dank, ich bin nicht so."

In alle drei Rollen



Der Schauspieler und Theatermacher Bernd Surholt schlüpfte, einer Figur aus dem Werk des bekanntesten deutschen Humoristen nicht unähnlich, in alle drei Rollen. Busch zu lesen, ist ein Vergnügen, ihn gespielt zu sehen, ein noch größeres. Die gezeichneten Figuren werden plötzlich lebendig, und was sie auch tun, was ihnen auch begegnet, wird über Sprache, Gestik und Mimik augenblicklich unmittelbar.

In seinem "Heiligen Antonius" hat Wilhelm Busch den so genannten Frömmigkeitswinkel erfunden (Der Kopf neigt sich um 15 Grad zur Seite). Wie viele Fallen auf dem Weg zum sicheren Seelenheil lauern, wieviel der Titelheld zu leiden und streiten hat bis er schließlich triumphieren darf, Surholt lässt nichts aus, nicht einen Vers, nicht eine Maske. Der gepeinigte Antonius, verfolgt vom Teufel, den er auf seinen Marienbild hässlich malte, setzt ihm ebenso zu wie die diversen Frauenzimmer. Abgründe tun sich auf und Himmelstore.

Die bleiben nicht einmal einem Schwein verschlossen, das die Wege des Heiligen gekreuzt hat und nun die Gnade der Gottesmutter findet. Ein unglaublicher Schluss für eine Heiligenlegende. Sie brachte Busch ein mehrmonatiges Verbot des "Antonius ein", mit Verzögerung freilich, denn die Berliner Zensur hatte die Brisanz der Verse erst später erkannt. Frömmigkeit ist in den Zeiten, in denen Wilhelm Busch seine Lebenserfahrungen machte, weniger etwas für Männer als vielmehr für Frauen.

Hier ist die "Fromme Helene" natürlich der Klassiker schlechthin. Das Frauenzimmer, das aus der Obhut von Onkel und Tante über die Ehe schließlich zwischen Betstuhl und Likörflasche landet, wem täte sie nicht leid. Und dennoch: Wenn die berühmten Sentenzen fallen, ist das erleichternde, aufaufatmende Ahaerlebnis im Zuschauerraum spürbar. Und das milde Lächeln des Schauspielers überträgt sich sogleich auf sein Publikum., wenn er bei dem berühmten Satz von den Sorgen und dem Likör verständnisinnige Resonanz verspürt.

Spott und scharfe Satire



Weniger bekannt, doch überaus faszinierend der Dichter Balduin Bählamm. Erstaunlich geradezu, wie Surholt Buschs Selbstironie mit unterbringt, Spott und scharfe Satire mit hineinmischt. Auch hier tröstet schließlich nach manchem Gerangel und Geschiebe die schlichte Erkenntnis, dass die Flucht aus der "altbackenen Welt" nicht einmal einem Dichter wirklich gelingt.

Weitere Informationen: www.weidener-literaturtage.de

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