Weiden
Zwei Todfeinde bekämpfen sich in einer Brust
Kleine Bühne Weiden zeigt die Bühnenversion von Hermann Hesses Erfolgsroman "Steppenwolf"
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| Dressur des "Steppenwolfes" (Jochen Horst, zweiter von links) auf der "Kleinen Bühne" Weiden. Bild: apz |
Etliche Versuche
Es hat etliche Versuche gegeben, den Roman auf die Bühne zu bringen. Erst die Dramatisierung durch Joachim Lux wurde 2005 von den Erben des Dichters akzeptiert. Die Studiobühne Landgraf und das Stadttheater Fürth brachten ihre Iszenierung, die vor wenigen Tagen schon im Stadttheater Amberg zu sehen war, zur Kleinen Bühne Weiden. Lux hat im Grunde nicht anderes getan, als die ungeheuren Bewegungen in der Seele des Mannes, in der sich Sehnsucht nach Bürgerlichkeit und deren totale Ablehnung wie Todfeinde bekämpfen, in Aktion und Akustik umzusetzen.
Die Einkürzungen auf wesentliche Stationen dieses inneren Kampfes lassen der Geschichte, die auf mehreren Ebenen spielt, einen literarischen Wiedererkennungswert und dem Zuschauer die Chance, dem "Steppenwolf" beim Durchbruch in das "wirkliche" Leben zu folgen.
Eine der Mephistofigur verwandte junge Frau (Jacqueline Zebisch) ermöglicht ihm das. Am Ende dieser wildbewegten Wanderung durch eine moderne Hexenküche, eine schrille Hölle bis zu "Gefilden hoher Ahnen" in Gestalt von Goethe, Mozart und Bach steht jedoch der Mord an der Geliebten. Zu ewigem Leben verurteilt, setzt der Steppenwolf seinen Weg fort. Eingebunden und phantastisch begleitet von einem erstklassigen Ensemble kann sich Jochen Horst in der Titelrolle gut entfalten. Die Bühnenversion bringt es freilich mit sich, dass die Figur etwas von ihrer Exklusivität einbüßt mit der Einschränkung, dass die Mitspieler Teile der Persönlichkeit des Hauptakteurs mimen.
Der rote Faden
Das zum Teil heftige Spektakel auf der Bühne drängt die Texte des "Steppenwolfs", die immerhin den roten Faden der Story bilden, immer wieder in den Hintergrund. Das Stück kann nicht nur deshalb dem zugrunde liegenden Buch nicht standhalten. Die feinen Gewebe des Romantextes wurden der im Theater aktionsgeladenen gesellschaftspolitischen und psychologischen Diktion des Stoffes, die das Buch in den 60er Jahren berühmt machte, geopfert.
Die Zuschauer ließen sich dennoch herausfordern zur Konfrontation mit der vielschichtigen Psychoanalyse des modernen Lebens und spendeten viel Beifall.
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