Reinhard Mey, der große Einzelgänger unter den deutschen Liedermachern, wird 65 Jahre alt
Ein Troubadour wie Reinhard Mey geht nicht in den Ruhestand, auch wenn der "ewig etwas verträumte große Junge" mit dem immer noch jungenhaft anmutenden Gesang am 21. Dezember unglaubliche 65 Jahre alt wird. "Was, jetzt schon?!" sagt er selbst.
Der große Einzelgänger unter den deutschen Liedermachern und "Bunte Hund", wie Mey nicht ohne Hintergedanken sein im vergangenen Frühjahr erschienenes Album (das 24. deutschsprachige Studioalbum und das 60. insgesamt) genannt hat, will den Geburtstag nicht mehr besonders feiern oder gar an die große Glocke hängen.
Drei Kisten Kindheit
Sein eigenes Alter ist für Mey kein Einschnitt in seinem Leben: "Das ist mir völlig schnurzpiepe, es gibt viel einschneidendere Dinge, zum Beispiel, wenn ein Kind aus dem Haus geht." So liegen denn auch "drei Kisten Kindheit" im Keller seines Hauses, die er natürlich auch in einem seiner Lieder besingt. So ein Kinder-Keller konfrontiert einen nach Meys Worten "auch immer mit Unaufgeräumtem im Leben überhaupt".
Reinhard Mey, der große Einzelgänger unter den deutschen Liedermachern, wird 65 Jahre alt
Es ist also alles etwas ruhiger geworden, und ein bisschen zollt der am 21. Dezember 1942 in Berlin geborene Reinhard Mey dem Alter doch Respekt, wenn er nur noch alle drei Jahre statt wie bisher alle zwei Jahre auf große Tournee geht. 2008 ist es wieder soweit (vom 19. September bis 18. November durch Deutschland, Österreich und die Schweiz). Der Liedermacher ("Über den Wolken", "Der Mörder ist immer der Gärtner") füllt noch immer mit Leichtigkeit die größten Hallen, die stets lange im Voraus ohne besondere Werbung ausverkauft sind. Seit über vier Jahrzehnten hat Mey ein treues Fanpublikum, das die Meinung von Götz Alsmann über den Liedermacher teilt: "Er ist kein Mozart und kein Goethe, aber er ist ein Charles Trenet und ein Johnny Mercer, ein Fred Buscaglione und ein Paul McCartney. Wie sie ist er ein Poet für das Hier und Jetzt..."
Frankophile Wurzeln
Der "Einhandsegler" Mey träumt mal vom weiten Horizont und vom Abhauen ("Rüm Hart") oder beleuchtet musikalisch-kritisch das deutsche "Narrenschiff" der Politszene ("Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken, Klabautermann führt das Narrenschiff, volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff").
Reinhard Mey, der große Einzelgänger unter den deutschen Liedermachern, wird 65 Jahre alt
2005 nahm er nach 23 Jahren wieder ein französisches Album auf, womit Frédérik Mey, wie er sich am Anfang seiner Karriere in Frankreich nannte, an seine frankophilen Wurzeln zurückkehrte.
Und der "alte Wolf", wie er sich in einem seiner früheren Lieder mal selber nannte, kann sich auch immer noch aufregen im Alltag, ob über das Radio oder die "große Politik", wie zum Beispiel die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr. Ein "Sänger der heilen Welt" ist er schon lange nicht mehr.
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