"Archiv in die Zukunft zu führen als schönste Aufgabe"
Walter Höllerers Literaturhaus feiert 30-jähriges Bestehen - Nachlass von Eugen Oker übergeben - Lesung mit Hans Joachim Schädlich
Eine Geburtstagsüberraschung: Das Literaturarchiv erwirbt den Nachlass von Eugen Oker: Maria Gebhardt (zweite von rechts, Witwe des 2006 verstorbenen Künstlers) erzählt über die Objekte in der neu eingerichteten Vitrine. Mit im Bild (von links): Dr. Friedrich Geißelmann (Vorsitzender des Literaturarchivs), Landtagsabgeordneter Heinz Donhauser, Patricia Preuß (kommissarische Leiterin des Literaturarchivs), Gerd Geismann (Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg) und Staatsminister Thomas Goppel.
Sulzbach-Rosenberg. Walter Höller hätte sich gefreut: nicht nur darüber, dass sein Literaturarchiv 30 Jahre alt geworden ist, sondern auch, dass so viele gekommen sind, um diesen Tag zu feiern - und vor allem, dass es weiter gehen kann mit dem Literaturhaus! Dr. Friedrich Geißelmann, Vorsitzender des Literaturarchivs, sprach am Samstag beim "Tag der offenen Tür" von einer "kurzen Zeit, um eine Institution wie diese aufzubauen" und betonte nachdrücklich, das Erbe Höllerers auch in Zukunft zu bewahren, der Welt zu erhalten und zu erweitern: "Das Archiv in die Zukunft zu führen, ist die schönste Aufgabe!"
Dass man um diese Zukunft keine Angst zu haben braucht, dafür machte sich auch Sulzbach-Rosenbergs Bürgermeister Gerd Geismann stark. Nicht nur die Stadt setzt sich für das Haus ein, auch der Freistaat "ist ein verlässlicher Förderer."
"Glücksfall für Bayern"
Als "Glücksfall für Bayern" bezeichnete Thomas Goppel, Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, das Literaturarchiv, der zum "runden Geburtstag" auch ein besonderes Geschenk mit dabei hatte: Das Archiv erwirbt den Nachlass des in Schwandorf geborenen Autors Eugen Oker (1919 - 2006), die Mittel dafür stellt das Ministerium zur Verfügung.
"Archiv in die Zukunft zu führen als schönste Aufgabe"
Walter Höllerers Literaturhaus feiert 30-jähriges Bestehen - Nachlass von Eugen Oker übergeben - Lesung mit Hans Joachim Schädlich
Der Nachlass, der symbolisch von der Witwe Maria Gebhardt mit der feierlichen Enthüllung einer neu eingerichteten "Oker-Vitrine" übergeben wurde, umfasst Vorarbeiten und Manuskripte zu sämtlichen Romanen, Drehbüchern, Kinderbüchern und Gedichten. Außerdem gehören dazu Korrespondenzen, Notizbücher, Zeichenhefte und Collagen sowie zahlreiche Tondokumente zu Okers Sendungen im Bayerischen Rundfunk.
Goppel sprach in seiner Festrede von einem "Haus der Bewahrung und Vermittlung von Literatur", hob die Unterstützung des Freistaats als "herausragendes Beispiel von dezentraler Kulturförderung" hervor und lobte das reiche Veranstaltungsprogramm: "Das Haus nimmt die wichtige Aufgabe wahr, den Menschen einen Zugang zur Literatur zu verschaffen."
Auch an die Zukunft - und damit den gesicherten Fortbestand des Literaturhauses ist gedacht: Archivbesuche von Studenten sollen in Zusammenarbeit mit der Universität Regensburg intensiviert und die selbstbewusste Position im europäischen Netzwerk der Kulturinstitute gefestigt werden. "Hier könnte ein zentrales Kultur- und Literaturhaus der Oberpfalz entstehen", betonte Goppel.
"Archiv in die Zukunft zu führen als schönste Aufgabe"
Walter Höllerers Literaturhaus feiert 30-jähriges Bestehen - Nachlass von Eugen Oker übergeben - Lesung mit Hans Joachim Schädlich
"Schätze sichtbar machen"
Als Schwerpunkte für die nächsten Jahre sind die Vernetzung der Archive in Bayern und ein noch intensiverer Austausch mit Autoren aus osteuropäischen Staaten angedacht. "Wir müssen die Schätze in einer Gesamtschau sichtbar machen und das Profil als Begegnungsstätte weiter ausbauen", forderte der Minister.
Den "Geburtstagsabend", der mit Theaterszenen von Walter Höllerer und Erich Kästner, dargestellt von der Theatergruppe des Sulzbach-Rosenberger Herzog-Christian-August-Gymnasiums umrahmt wurde, endete mit einer Lesung von Hans Joachim Schädlich. Vor kurzem erst mit dem renommierten Bremer Literaturpreis ausgezeichnet, hatte er zum wiederholten Male seinen Weg ins Literaturhaus gefunden. Thomas Geiger vom "Literarischen Colloquium Berlin" nannte ihn in seiner Einführung "eine der wichtigsten Stimmen der Gegenwartsliteratur in Deutschland".
Drei Erzählungen
Im Mittelpunkt seiner Lesung stand sein aktueller Roman "Vorbei" in dem er sich in drei Erzählungen mit drei Leben, die thematisch mit einander verbundensind, auseinandersetzt. Dabei handelt es sich um dem Schriftsteller Robert Louis Stevenson ("Schatzinsel", "Dr. Jekyll und Mr. Hyde"), den Antikenforscher Joachim Johann Winkelmann und den Komponisten Antonio Rosetti. Allen ist gemein, dass sie kunstbegeistert sind und einen frühen Tod sterben.
"Archiv in die Zukunft zu führen als schönste Aufgabe"
Walter Höllerers Literaturhaus feiert 30-jähriges Bestehen - Nachlass von Eugen Oker übergeben - Lesung mit Hans Joachim Schädlich
Schädlich konzentriert sich in seiner Lesung auf dem Mozart-Kollegen Rosetti, der, 1750 als Franz Anton Rösler im böhmischen Leitmeritz geboren, zu Lebzeiten zu wenig Anerkennung bekommen hat. Den Kopf voller Musik, wollte er immer nur komponieren, litt zeitlebens unter finanziellen Schwierigkeiten und zählt heute zu den vergessenen Komponisten.
Asketische Sprache
Zwischen Dokument und Fiktion, in knapper, ja fast asketischer Sprache gehaltenen Bildern erzählt Schädlich hautnah und eindringlich seine Geschichte. Wie ein Film ziehen seine Bilder vorbei, werden Dialoge ungemein lebendig. Wie eine Komposition erscheint seine Erzählung voller Klang- und Sprachkraft. Ein Buch, das gefangen nimmt und ungemein neugierig macht!
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