Von Peer Meinert, dpa  |  28.08.2007  | Netzcode: 11065365

Venedig ganz im Zeichen Hollywoods

Filmfest mit eindeutig politischem Akzent: Irakkrieg und Protestbewegung in den USA

Venedig. Glamour, Glanz und Hollywood, aber auch Themen wie Tod und Elend im Irakkrieg sowie Politik und Protest in den USA - das 64. Filmfestival von Venedig vom 29. August bis 8. September verspricht zum Glanzlicht zu werden.

Niemals zuvor gab es ein derart starkes Hollywood-Aufgebot: Regisseure wie Brian De Palma, Peter Greenaway, Paul Haggis und Todd Haynes treten an, hinzu kommen Stars wie Brad Pitt, George Clooney und Richard Gere, Charlize Theron, Susan Sarandon und Cate Blanchett. Neun der 22 Wettbewerbsfilme stammen aus den USA - das kommt am Lido einer Revolution gleich. Verantwortlich für die Wende ist Festivaldirektor Marco Müller. Eröffnungsfilm am 29. August ist der Streifen "Atonement" des britischen Regisseurs Joe Wright mit Keira Knightley und Vanessa Redgrave. Schon jetzt stellt sich die Frage: Geht diesmal der Goldene Löwe an eine US-Produktion?

Noch spannender als die großen Namen sind die Themen. Brian De Palma ("Mission: Impossible") packt in "Redacted" ein besonders heißes Eisen an: Es geht um die Vergewaltigung und Ermordung eines 14-jährigen Mädchens durch US-Soldaten im Irak. Kritiker sprechen bereits von einer "Bombe", die die schmutzigen Seiten des Krieges ins Licht rücke.

Paul Haggis erzählt im Kriegsheimkehrer-Drama "In the Valley of Elah" von einem Elternpaar, das sich auf die Suche nach seinem Sohn macht, der nach dem Einsatz im Irak auf mysteriöse Weise verschollen ist. "Das dominierende Thema dieses Jahr heißt Krieg", meint Müller, der das Festival am Lido in wenigen Jahren gründlich veränderte. Den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk erhält diesmal der italienische Filmemacher Bernardo Bertolucci ("Der letzte Kaiser").

Allerdings: Deutschland ist - wieder einmal - nicht mit einem eigenen Film im Wettbewerb vertreten. Aber immerhin ist ist es bei Ken Loachs Beitrag "It's a Free World..." und Peter Greenaways "Nightwatching" als Co-Produzent beteiligt. Der Dokumentarfilm "Staub" von Hartmut Bitomsky ist in einer Nebenreihe zu sehen, ebenso mehrere Streifen von Alexander Kluge. Seit Jahren steht der deutsche Film abseits in Venedig. Zur Erinnerung: Der letzte Deutsche, der einen Goldenen Löwen gewann, war Wim Wenders mit "Der Stand der Dinge" - das war 1982, vor einem Vierteljahrhundert also.

Ein weiteres Highlight: Der Streifen "I'm not There" von Todd Haynes über das Leben von Bob Dylan. Der Streifen über den Protestsänger und Kultmusiker wird mit besonderer Spannung erwartet, nicht zuletzt wegen der Starbesetzung samt Richard Gere, Cate Blanchett, Heath Ledger sowie Julianne Moore und Charlotte Gainsbourg.

Brad Pitt und Casey Affleck spielen im Western "The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford" des Australiers Andrew Dominik, George Clooney und Sydney Pollack in "Michael Clayton", einem Thriller im Anwaltsmilieu von New York. Kenneth Branagh präsentiert den Thriller "Sleuth" mit Michael Caine und Jude Law. "Dies ist ein außergewöhnlicher und interessanter Mix an Filmen und verschiedenen Nationen", meint Festivaldirektor Müller.


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