Noch ein Familiendrama: "So viele Jahre liebe ich Dich"
Der Augenaufschlag der Kristin Scott Thomas ist einfach bezaubernd. Wie nur wenige Schauspielerinnen ihrer Generation versteht sie es meisterhaft, einer von ihr interpretierten Figur ein Geheimnis zu geben.
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USA 2006. R,B: Darren Aronofsky. B: Ari Handel. D: Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn. 97 Minuten.
Haben Sie je daran gedacht, ein Horoskop für Ihre Katze erstellen zu lassen? Dann ist Aronofskys "The Fountain" vielleicht was für Sie - alle Übrigen seien vor dieser Kitschgrube gewarnt.
In drei intelligent, aber spannungsarm verknüpften Handlungssträngen versucht Regisseur und Autor Darren Aronofsky mit seinem aktuellen Film "The Fountain" dem Mythos vom ewigen Leben nachzuspüren. Nicht etwa in ideologiekritischer Absicht, sondern durch ironiefreies Verwurschteln von heidnischen, jüdisch-christlichen, historischen, medizinischen und astronomischen Motiven.
Das klingt noch weniger anstrengend als es gemacht ist: in gewiss schweiÃtreibender digitaler Arbeit wurden alle Bilder so sehr auf hübsch getrimmt, dass über weite Strecken die Grenzen zum Kitsch deutllich überschritten sind.
In Zeitschiene eins sucht der Konquistador Tomas (Hugh Jackman) im 16. Jahrhundert im Auftrag der kastilischen Königin Isabella (Rachel Weisz) nach dem Baum des Lebens, der auf dem Dach einer nicht kartographierten Maya-Pyramide stehen soll. Zeitschiene zwei zeigt den Mediziner Tommy Creo (Hugh Jackman) in den U.S.A. der Gegenwart auf der Suche nach einem Heilmittel gegen Krebs - er findet es in einer Baumrinde(!), zur allgemeinen Ãberraschung. Zeitschiene drei befindet sich anscheinend am Ende der Zeit: ein Raumfahrer (Hugh Jackman), wohl derselbe Tommy oder eine Reinkarnation, reist einer vorher im Film von einer krebskranken Literatin - Gattin (Rachel Weisz) des genannten Creo - thematisierten Supernova entgegen. So wie die Galaxie zum Schwarzen Loch kollabiert, soll angeblich der Tod des Astronauten die Menschheit oder zumindest ihn selbst vom Tod erlösen und (metaphorisch? wörtlich?) zurück ins Paradies führen. So stockreaktionär tritt uns selten einer entgegen.
USA 2006. R,B: Darren Aronofsky. B: Ari Handel. D: Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn. 97 Minuten.
Im Rausch der Sinne oder im Rausch der Drogen? Warum auch immer: Regisseur Aronofsky war von allen guten Filmgeistern verlassen...
Aronofsky demonstriert bei aller Intelligenz der motivischen Verschlingung eine groteske Armut an visueller Erfindungskraft. Der Astronaut reist anscheinend in einer Glas- oder Seifenblase, vermutlich reist er in einem nicht rational nachzuvollziehenden Sinne nicht physisch, sondern nur psychisch durch die Welten - aber eben doch der Supernova entgegen. Die Meditationshalten des Raumfahrers deutet dies an - ach ja, wir erinnern uns: gewisse esoterische Kreise halten Raumreisen für Entspannung, nicht für Arbeit.
Schwerer noch als das ästhetische Versagen wiegen die duchschlagende historische und ethische Ignoranz, die Aronofsky zur Schau stellt. Isabella von Kastilien hatte mit ihrem Gatten Ferdinand 1478 die spanische Inquisition eingesetzt, gegen den Widerstand von Papst Sixtus IV., wohingegen der Film so tut als sei Isabella schuldlos am staatskirchlichen Terror. Die Königin wird zur Heiligen stilisiert, als hätte Cervantes nie den "Don Quijote" geschrieben und mit ihm zumindest in den Künsten ein Ende des in Minne unerbittlich seiner Mission folgenden Ritters ausgerufen. Und dass der Baum des Lebens von einer Maya-Horde bewacht wird, die sich dann dem spanischen Soldaten kampflos beugt, weil sie in ihm den Menschenvater Adam erkennt, setzt dem Schwachsinn die Krone auf und beleidigt auch den guten Geschmack von Atheisten.
Aronofsky hätte den Film um ein Haar nicht realisieren können, nachdem Zugpferde wie Brad Pitt und mit ihm Investoren abgesprungen waren. Dass dennoch ein Budget von 30 Millionen (statt der geplanten 70 Millionen) verbrannt werden durfte, wirft ein ungutes Licht auf die Filmindustrie. Wenn der Möchtegern-Künstler überschnappt, sollten wenigstens noch die Buchhalter kühlen Kopf bewahren.
Auf drei Zeitachsen führen Leben und Tod zur Unsterblichkeit. Auf der ersten Achse sucht der Konquistador Tomas im 16. Jahrhundert nach dem Maya-Quell des ewigen Lebens. Auf der zweiten Achse sucht der Wissenschaftler Tommy Creo in der Jetzt-Zeit mehr...
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