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Von Frank Stüdemann  |  05.11.2008  | Netzcode: 1594913

Geschüttelt und gerührt

"Ein Quantum Trost" für James Bond: Daniel Craigs zweiter Einsatz als Agent 007

Die Standardfrage lautet: "Und, wie ist der neue Bond-Film?" Eine Standardantwort ist unmöglich, könnte aber so oder so ähnlich lauten: Um Klassen besser als jeder Streifen der Brosnan-Ära, aber leider nicht auf gleicher Augenhöhe mit "Casino Royale", dem ersten Abenteuer mit Daniel Craig. Denn das war so etwas wie der Wodka Martini der Filmserie: bitter und sanft. "Ein Quantum Trost" ist dagegen eher wie ein Whiskey on the Rocks: hart und eiskalt.

Im feurigen Finale des Films zeigt Camille (Olga
Im feurigen Finale des Films zeigt Camille (Olga Kurylenko) erstmals Nerven. James Bond (Daniel Craig) schießt sich und ihr den Weg frei. Bild: Sony
Mit "Casino Royale" haben die 007-Produzenten vor zwei Jahren den bisher erfolgreichsten Film in der 46-jährigen Geschichte der Reihe in die Kinos gebracht. Sie gingen mit dem heute 40 Jahre alten Daniel Craig als Nachfolger von Pierce Brosnan in der Titelrolle allerdings ein enormes Risiko ein: Der blonde Brite weckte nicht nur durch sein Aussehen Skepsis, sondern auch durch seine mangelnde Erfahrung im Genre. Craigs Debüt geriet jedoch auf ganzer Linie zum Erfolg, Kritiker und Zuschauer bekamen in Zeiten der "Bourne"-Filmreihe endlich einen ebenbürtigen Bond.

Dass Craig es drauf hat, wissen wir also mittlerweile. Spannend an "Ein Quantum Trost", dessen Titel einer Kurzgeschichte von Bond-Erfinder Ian Fleming entstammt, ist diesmal etwas anderes: Geht es sofort wieder zurück zum Action-Overkill früherer Filme, zum Klamauk und ins warme Bad der Klischees? Nein, geht es nicht. Dennoch ist das "Quantum Trost" ein rasantes, schnell geschnittenes Abenteuer, das sich kaum noch die Zeit für die Charaktere lässt, was "Casino Royale" erst so bemerkenswert machte. So schnell wird man eben verwöhnt.

Spannend ist diesmal aber auch der Regisseur: Mit dem in Deutschland geborenen Schweizer Marc Forster (39) saß bei diesem Bond-Streifen erstmals ein Mann im Regiestuhl, der schon vor seinem Ausflug in die Welt des Agenten 007 in der Filmwelt über Jahre ein Renommee aufgebaut hat.

Versierter Regisseur



Forster gilt als eines der vielversprechendsten Talente in Hollywood: Sein Film "Monster's Ball" brachte 2002 Halle Berry den Oscar; mit dem Drama "Wenn Träume fliegen lernen" ("Finding Neverland", 2004), dem Gruselthriller "Stay" (2005) der Komödie "Schräger als Fiktion" ("Stranger Than Fiction", 2006) und der Bestseller-Verfilmung "Drachenläufer" ("The Kiterunner", 2007) hat er seine Vielseitigkeit bewiesen.

Und sogar in einem Actionstreifen wie "Quantum" ist Forsters Stil deutlich zu erkennen, sein Faible für Architektur und ungewöhnliche Einstellungen. Man achte beispielsweise darauf, wie Forster und sein Stamm-Cutter Matt Chessé in der Mitte des Film die Bregenzer Aufführung der Oper "Tosca" mit einer Verfolgungsjagd durchs Opernhaus zusammenschneiden. Wer also einen Blick für solche Kleinigkeiten hat, kann den neuen 007 auf mehreren Ebenen genießen - selten war ein Bond-Film so kunstvoll.

Die Geschichte von "Ein Quantum Trost", diesmal ohne Fleming-Elemente und wieder von Neil Purvis, Robert Wade und Dialog-Schleifer Paul Haggis ("L.A. Crash") geschrieben, nimmt den Faden auf, wo er in "Casino Royale" zu Boden fiel - ebenso wie der finstere Strippenzieher Mr. White (Jesper Christensen).

Dem hatte Bond am Ende des vorigen Films elegant das Knie zerschossen, um ihn jetzt zum Verhör zu Geheimdienstchefin M (Judi Dench) zu bringen. White, den Bond für den Tod seiner Geliebten Vesper Lynd verantwortlich macht, entpuppt sich als Handlanger einer mächtigen Organisation namens Quantum. Diese wiederum steckt offenbar mit etlichen Regierungen der Welt unter der Decke, verfolgt finstere Ziele und ist auf dem Radar der Geheimdienste bislang nicht aufgetaucht. Bond wird von M auf die Spur von Quantum angesetzt, schnell zweifelt sie an seinen Motiven: Macht er seinen Job, oder will er Rache für den Tod Vespers?

Stoff für weitere Filme



Als Bonds Weg sich in Haiti mit dem der nicht minder rachsüchtigen Camille (Olga Kurylenko) kreuzt, führt die ihn direkt zum schmierigen Geschäftsmann Dominic Greene (Mathieu Amalric). Wie sich bald herausstellt, ist aber auch Greene nur ein weiteres kleines Rad im Quantum-Getriebe, an dem auch die CIA ein dubioses Interesse hat. Bonds einziger Vertrauter ist am Ende ausgerechnet der Mann, der im letzten Film noch als Verräter da stand: Mathis (Giancarlo Giannini). Zwar wird unser Agent mit der Lizenz zum Töten bis zum Abspann seine privaten Angelegenheiten erledigt und seine emotionale Reise fortgesetzt haben, hin zum gefühlslosen Killer im Namen der Queen. Die eigentlichen Quantum-Köpfe jedoch bleiben als gesichtslose Mega-Gangster weiter im Hintergrund und sollten noch Stoff für weitere Filme liefern.

Keine Zeit zum Durchatmen



"Ein Quantum Trost" ist mit seinen knapp 100 Minuten der kürzeste Bond-Film aller Zeiten. Und der erste Streifen der Serie, von dem man sich einen "Director's Cut" sehnlichst wünscht. Der Zuschauer wird in halsbrecherischem Tempo und optisch durchgehend sehr ansprechend von Schauplatz zu Schauplatz gejagt. Eine Verfolgungsjagd folgt der anderen, es wird geprügelt, geschossen und geblutet.

Ein Quantum mehr Zeit für den brillanten Daniel Craig wäre schön gewesen, der diesmal wenig Gelegenheit hat, alle seine schauspielerischen Stärken auszuspielen. Trotzdem kommt der Humor nicht zu kurz, obwohl einst geliebte Charaktere wie Miss Moneypenny und Q nach wie vor durch Abwesenheit glänzen. Umso mehr Platz bleibt einer großartigen Judi Dench, die als Bonds mütterlicher Boss erneut das strenge Herz des Films darstellt.

Originaltitel: "Quantum of Solace" - Regie: Marc Forster - Darsteller: Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Gemma Arterton, Jeffrey Wright, Giancarlo Giannini, Judi Dench, Anatole Taubman - Musik: David Arnold - FSK: ab 12 - Länge: 103 Minuten - www.ein-quantum-trost.de


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