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Von (dpa)  |  09.10.2008  | Netzcode: 1564132

Adlerauge, sei wachsam!

«Eagle Eye» : Thriller mit Shootingstar Shia LaBeouf und Billy Bob Thornton

(dpa) Der Staat ist allmächtig. Die Bürger werden auf Schritt und Tritt kontrolliert. Dieses Horrorszenario frei nach George Orwells Überwachungsstaat-Leitspruch «Big Brother is Watching You» ist immer wieder Stoff für die Filmwelt. Die Macher des Actionthrillers «Eagle Eye - Außer Kontrolle» gehen noch weiter: Was geschieht, wenn sich die übermächtigen Kontrollinstanzen verselbstständigen? Die USA versinken im Chaos.

Eben noch der Sohn von Indiana Jones, jetzt in
Eben noch der Sohn von Indiana Jones, jetzt in Washington auf der Flucht vor einer Verschwörung: Jungstar Shia LaBeouf als Jerry Shaw. Bilder: Universal
Shootingstar Shia LaBeouf («Transformers», «Indiana Jones und das Königreich des
Kristallschädels») und Michelle Monaghan («Gone Baby Gone») hetzen auf der Flucht vor undurchsichtigen Staatsorganen durch Nordamerika. Nach furiosem Auftakt verliert sich das Regiewerk von D.J. Caruso («Disturbia») in der Beliebigkeit eines Actionthrillers und endet im schmalzigen US-Pathos.

Jerry Shaw (LaBeouf) traut seinen Augen nicht, als er von seinem öden Job in einem Kopiershop in seine Wohnung zurückkommt: Sie ist voller Boxen mit schweren Maschinengewehren, Granaten und gefälschten Pässen. Der Paketdienst habe sie angeliefert, sagt die Nachbarin. Dann bekommt Jerry einen Anruf. «Verlass sofort die Wohnung, in 30 Sekunden kommt das FBI», sagt eine Frauenstimme. Der junge Mann ist verwirrt, die halbe Minute verstreicht. Die Polizei stürmt die Wohnung und nimmt ihn fest. Ein FBI-Ermittler, gespielt von Billy Bob Thornton («Monster's Ball»), hält Shaw für einen Terroristen. Doch etwas stimmt nicht: Wie kommt ein Durchschnittsbürger zu so vielen
Waffen?
Billy Bob Thornton mimt einen FBI-Agenten, der
Billy Bob Thornton mimt einen FBI-Agenten, der Shaw jagt.

Regisseur Caruso gelingt in der ersten Dreiviertelstunde ein stimmiger Auftakt. In einer Parallelhandlung wird eine allein erziehende Mutter (Michelle Monaghan) von Männern erpresst, die ihren Sohn entführt haben. Die Handlungsfäden erscheinen zunächst
ungeordnet. Diese allgemeine Verwirrung ist eine Stärke des Films, die Ungewissheit verschärft die Atmosphäre der totalen Bedrohung. Doch im Verlauf der Handlung werden, den Blockbuster-Mechanismen folgend, immer mehr Fragezeichen gelöscht und durch aufwendige Spezialeffekte sowie klare Antworten ersetzt. So konsumiert der Zuschauer schließlich einen Blockbuster mit eindeutigen Bildern vom Guten. Serienstar Michael Chiklis («The Shield») und Rosario Dawson («The 25th Hour») treten in Nebenrollen auf.

Einige Einstellungen erinnern an «2001 - Odyssee im Weltall», die Philip K. Dick-Romanverfilmung «Paycheck» oder den Psychothriller «Sieben». Letztlich sind das aber nur leere Filmzitate, die von der fehlenden Originalität eines lärmenden Actionstreifens ablenken sollen. Am Ende werden vor einer wehenden Stars-and-Stripes-Fahne der Toten gedacht. Die Überlebenden bekommen für ihren heldenhaften Einsatz Orden verliehen.

In den USA setzte sich «Eagle Eye» an die Spitze der Kinocharts. Bei der amerikanischen Filmkritik fiel er hingegen durch. Der Film hätte die Chance verspielt, Paranoia vor einem übermächtigen Staat verstörend zu inszenieren, sei aber nur «laut und hat nicht wirklich etwas zu erzählen», hieß es in der «Washington Post». Der Schlussteil sei fast schon eine Parodie von Actionthrillern, urteilte das Branchenblatt «Variety».

Infos: www.eagle-eye-film.de

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