Hut aufbehalten, Herr Stüdemann!
Die Kontra-Kritik zu "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels"
Der Film bordet über vor verschenkter Erzähllust und verpufftem Erinnerungspotential, auch schon vor dem Alien-Showdown.
Oder sollte das ein apolitisches Statement sein? Vermutlich, denn man springt ja auch einfach so von UFO- und Verschwörungstheorien rund um die "Area 51" knapp 50 Meilen rüber zum benachbarten "Nevada Test Site".
Zahlreiche Anspielungen auf die ersten drei Filme verpuffen, weil sie sich nicht um einen wie vage auch immer ausgearbeiteten existentiellen oder historischen "Strohhalm" (mehr als einen solchen erwarte auch ich nicht vom Action-Kino) versammeln können bis zu einem wie auch immer gearteten "Big Bang" von Geist oder Herz oder Vergnügen in den Zuschauer/innen. Ähnlich erhalten auch die Wechsel in Charakteren und Story keine andere Rolle als die Vorbereitung genau einer Szene. Jones trifft seinen Sohn und die einzige Konsequenz ist ein (gut gesetzter) Lacher zum Thema Schulabbruch?
Schließlich leiden die Comicheft-Szenen an einem Übermaß an Unbedarftheit, das die Balance aus Witz und Action aushebelt, die in den ersten drei Filmen noch eingehalten wurde. Die moderneren Waffen, die die Russen eigentlich haben müssten, erlauben sowenig das Durchstolpern eines Kugelhagels wie ein Kernwaffentest das Überleben in einem bleiverkleideten Kühlschrank. Die übertriebene magnetische Wirkung des Kristallschädels könnte man vielleicht noch hinnehmen, aber gewiss nicht die Reaktion von übertrieben großen Ameisen darauf. Wohlgemerkt: ich verlange hier keinen Realismus, Comic bleibt Fiktion; aber ich beanstande, dass das Team um Lucas, Spielberg und Ford die Action auf den Schenkeln zerklopft hat.
Was bliebe, wären also
1. die vorzügliche Kameraarbeit - aber dass viel Geld für's Personal zur Verfügung stand, wussten wir schon angesichts der neuerlichen Verpflichtung des reichsten Schauspielers der Welt (Stand 2001);
2. das gelegentliche Aneinanderreiben der Generationen - das Vater-Sohn-Ding aus dem "Letzten Kreuzzug" wird neu beleuchtet durch den Standortwechsel für Henry Jones, was keinen Tiefgang bringt, aber zumindest fundierte Lacher;
3. Harrison Ford - wenn er sich nicht bewegt; sobald er fährt oder springt, wird wieder klar, was dem Charakter fehlt: eine Lebensgeschichte, die über ein Foto seines Vaters hinaus geht und dafür gesorgt hätte, dass er wirklich seine Bandscheiben spürt. Frank Millers Transfer einer anderen Comic-Figur hat vorgemacht, wie man fiktiven Charakteren mit dem Alter Schmerzen und Würde verleiht.
Ihre Vorliebe für Popkorn also in allen Ehren, Herr Stüdemann - aber von solch altem Hut brauchen wir uns nicht an die Kinokassen locken lassen!
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