Ballermänner in Belgien
"Brügge sehen... und sterben?": Schwarzhumorige Komödie mit Colin Farrell und Ralph Fiennes
Schon der Titel verrät, dass dies keine gemütliche Reise durch das vorweihnachtlich verschneite Brügge wird. Es ist ein Zwangsurlaub für die Auftragskiller Ray (Colin Farrell) und Ken (Brendan Gleeson), die nach einem verpatzten Mord in London von ihrem Boss Harry (Ralph Fiennes) dazu verdonnert werden, in der mittelalterlichen belgischen Stadt eine Weile abzutauchen.
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| Ray (Colin Farrell, rechts) und Ken (Brendan Gleeson): Auftragskiller auf Zwangsurlaub in Brügge. Bilder: Tobis |
Er säuft aus Langeweile, haut Frauen und Drogendealer an, schlägt sich mit Touristen und verflucht das langweilige Brügge. Brendan Gleeson mimt den besonnenen Killer-Kumpel, der mit Reiseführer durch Museen und alte Gassen läuft und sich als väterlicher Freund um den jüngeren Kollegen sorgt.
Es hätte leicht zum abgedroschenen Streifen über ein ungleiches Mörder-Paar auf der Flucht werden können. Doch der Londoner Theaterautor Martin McDonagh mixt in seinem packenden Spielfilmdebüt schwarzen Humor, Action und Gaunerwitze mit tieferen Fragen über Reue, Sühne und den Sinn des Lebens gekonnt zusammen.
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| Cholerisch: Ralph Fiennes als Harry. |
Humor und Action
"Es ist eine Art schwarze Komödie über Verzweiflung", sagte McDonagh der "New York Times". "Doch das werden sie so bestimmt nicht auf das Filmplakat schreiben", witzelte der 38-jährige Brite vor dem Filmstart in den USA. Auch wenn "Brügge sehen ... und sterben?" mit nur siebeneinhalb Millionen Dollar Einnahmen an den US-Kinokassen kein großer Knüller war, so kann sich McDonagh mit durchweg guten Hollywood-Kritiken trösten.
Seit den späten 90er Jahren gilt McDonagh als Star und Schriftsteller mit großer Zukunft am englischen Theaterhimmel. Seine Theaterstücke, darunter "Der Kissenmann" und das blutig-makabre IRA-Drama "Der Leutnant von Inishmore", brachten ihm bereits vier Tony-Nominierungen und zwei Olivier-Awards ein. Die "New York Times" feierte ihn als den "möglicherweise originellsten irischen Schriftsteller seit Jahren". Mit seinem ersten Kurzfilm, "Six Shooter", holte er sich 2006 einen Oscar.
Die Idee für "Brügge sehen... und sterben?" sei ihm tatsächlich bei einem Besuch in der belgischen Stadt gekommen, erzählt McDonagh. Er sei damals von ihrer Bilderbuch-Schönheit ganz beeindruckt gewesen, hätte sich aber schon am zweiten Tag gelangweilt, "weil es so klein ist und man jeden Platz dann schon zweimal gesehen hat".
Das Lachen gefriert
Jeder Anflug von Langeweile wird spätestens im letzten Drittel des Films mit der Ankunft von Harry in Brügge vertrieben. Mit kaltem Ton und eisigem Blick mimt Ralph Fiennes den skrupellosen Boss, der einen verhängnisvollen neuen Auftrag verteilt. Mit den Blutlachen im Schnee gefriert am Ende auch das letzte Lachen der Zuschauer.
Originaltitel: "In Bruges" - Regie: Martin McDonagh - Darsteller: Colin Farrell, Brendon Gleeson, Ralph Fiennes, Clémence Poésy - Musik: Carter Burwell - FSK: ab 16 - Länge: 105 Minuten - www.brueggesehenundsterben.de
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