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Von Wolf von Dewitz, dpa  |  08.05.2008  | Netzcode: 1371399

Wirren der Gefühle

"Wilde Unschuld": Überstilisiertes Inzestdrama

Die Mutter Barbara Baekeland (Julianne Moore,
Die Mutter Barbara Baekeland (Julianne Moore, links) lebt ein sorgenfreies Leben. Bild: Concorde
Ein Sohn liebt seine Mutter. Die Zuneigung schießt über das Normalmaß hinaus. Er wird wahnsinnig, begehrt sie. Sie lässt es geschehen, sie haben Sex. Dann nimmt der Sohn ein Messer und ersticht die Mutter. Das Inzestdrama "Wilde Unschuld" erzählt einen Kriminalfall aus den 1970-er Jahren in London. Julianne Moore ("The Hours") gibt die Gattin eines Multimillionärs, die ihren einzigen Sohn Tony überfürsorglich in krasser Dekadenz aufzieht. Eddie Redmayne ("Die Schwester der Königin") wandelt als Sohn auf ödipalen Spuren.

Sein Großvater hatte mit der Entwicklung des Kunststoffes Bakelit Anfang des 20. Jahrhunderts ein Vermögen gemacht. Der Vater (Stephen Dillane) und seine Frau (Moore) sonnen sich nun in den Millionen und zelebrieren ein Jet-Set-Leben. Sie sei eine dieser Frauen, die die Visitenkarte eines Grafen im Papierstapel nach oben und die Rechnungen nach unten legen, heißt es über die Mutter.

Zuschauer bleibt unberührt



Ein Zeitraum von knapp drei Jahrzehnten wird mit Ausschnitten aus New York, Paris, Cadaqués und London erzählt. Dabei kommentiert der Sohn aus dem Off die Ereignisse von seiner Geburt bis zum frühen Erwachsensein. Regisseur Tom Kalin beginnt den Film mit bestechend scharfen Bildern der damaligen Jet-Set-Gesellschaft. Das gelangweilte Abendessen im Edelrestaurant oder die Fahrten im protzigen Sportwagen stellen die Leere unter der blitzenden Oberfläche kritisch dar.

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