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Von Christian Vogl  |  21.02.2008  | Netzcode: 1278805

Film ist kein schneller Fotoroman

Joachim Triers Langfilmdebüt "Auf Anfang" ist witzig, aber nichts weiter

"Ein Film über das Lebensgefühl der Twenty-Something-Generation, so wie einst Francois Truffauts 'Jules & Jim'" - so hoch legt der deutsche Verleih die Latte für Joachim Triers ersten Langfilm. Zu hoch.

Poster zu Film Auf Anfang :reprise - Reprise (OV)
Auf Anfang (:reprise). Norwegen 2006.
Joachim Trier inszeniert zwei angehende Jungschriftsteller (Anders Danielsen Lie und Espen Klouman-Høiner) auf ihrem Weg zum jeweils ersten Manuskript, zum jeweils ersten Buch, im einen Fall zum ersten Erfolg und zur ersten Psychose, im andern Fall zur ersten Ablehnung: nicht geradeheraus, nicht "narrativ", sondern in Sprüngen zwischen Gegenwart und fiktivem "Was wäre wenn", zwischen Vergangenheit und "das ist nicht, obwohl", ohne Bewusstsein vom eigenen Werdegang, dafür mit "das war passiert, na und".

Derlei kann selbstverständlich nicht linear inszeniert werden. Trier verwendet meist schnelle Schnitte und immer wieder eine hektische Fotoroman-Technik zur noch weiteren Erhöhung der Schnittfrequenz. Das mag man bei der Einleitung, einer Vision letztlich der gesamten filmischen Zukunft, noch ertragen, ödet aber bald an.

Ein Fotoroman ist kein Film und eigentlich nicht als Kunst vorstellbar. Der "Process" und die "Space Odyssey" fehlen der Gattung, vielleicht notwendigerweise: Zu verloren plumpst er zwischen die Stühle von Fotografie auf der einen, Comic auf der anderen und Film auf der dritten Seite. Wer tief schürft, macht Fotos _oder_ Romane; oder eben Filme mit 24 oder 25 Fotos pro Sekunde.

Foto vs. Fotoroman vs. Film


Ein jüngeres Beispiel für einen verbockten Fotoroman-Film ist der auf der 14. Regensburger Kurzfilmwoche im November gezeigte Nicht-Film "Fremdkörper" von Katja Pratschke: vom Stoff ein hochintelligentes Erneuern des Frankenstein-Motivs im Geiste von Woody Allen, mit hübsch fotografierten hübschen Darsteller/innen - aber leider ein Fotoroman.
Zwangsläufig wird der Fotoroman auf der Leinwand mit einem ausufernden Off-Kommentar versehen. Die Bilderserien können nicht für sich selbst sprechen. In flapsigem Ton muss uns Zusehenden die ganze Absicht hinter dem Film erst noch erklärt werden. So hat der Film zwar "drive" und gefällt im Saal, interessiert aber nicht darüber hinaus.

Bild zu Film Auf Anfang :reprise - Reprise (OV)
Erik und seine gesichtslose Freundin Lillian (Silje Hagen)
Das Paradoxe: Trier sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht, aber trotzdem (und bedingt durch den Off-Kommentar) interessiert den Film kein Baum, sondern nur der Wald. Ein Beispiel: die Dauerfreundin von Erik, einem der Schriftsteller, wird eingeführt, um mit ihr Schluss zu machen - so weit, so gut, ein Topos gegen den Strich gebürstet. Aber Trier besitzt die Geschmacklosigkeit, das Gesicht der Frau nicht zu zeigen, selbst dann nicht, als die Trennung zugunsten einer Kopulation aufgeschoben wird. Die Strafe für solche Missachtung des eigenen "Materials" ist die künstlerische Höchststrafe: Belanglosigkeit.

Die Konsequenz: Auf Anfang wurde 2007 als norwegischer Beitrag für die Nominierung zum Oscar vorgeschlagen.

Joachim Trier Auf Anfang Szenenbild
Philips Freundin Kari (Viktoria Winge) ist angeblich schuld an seiner Psychose, deshalb kriegt sie ein Gesicht...

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