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Von Frank Stüdemann  |  14.02.2008  | Netzcode: 1269627

Der Soldat John Rambo

Sylvester Stallones Helden-Wiederbelebung: Knallharter Kriegsfilm statt Action-Spektakel

Es gibt wohl nicht viele Filmfiguren, die so populär sind, dass sie sogar im Duden verewigt sind: John Rambo, der Vietnam-Veteran, der 1972 erstmals im Roman "First Blood" des Kanadiers David Morrell seine Wut entfesselte, hat es geschafft. "Rambo, der; -s, -s (nach dem amerik. Filmhelden) (ugs. für jmd., der sich rücksichtslos [und mit Gewalt] durchsetzt)" heißt es da - teilweise zu Unrecht.

Denn im ersten Film der Reihe (1982) war dieser "jemand" nichts weiter als ein einsamer, desillusionierter Heimkehrer aus einem Krieg, den sein Vaterland schnell zu vergessen suchte. Als er vom Sheriff einer kleinen Stadt zu unrecht inhaftiert, gedemütigt und nach seiner Flucht wie ein wildes Tier gehetzt wird, wendet sich die Waffe Rambo gegen die Gesellschaft, die sie geschaffen hat.

Birma als Kulisse



Hauptdarsteller Sylvester Stallone bewies damals wie schon bei seiner Boxer-Schöpfung Rocky Balboa ein Gespür für ikonenhafte Charaktere und schuf in dieser Rolle einen "Underdog", der erst für sein Land die Drecksarbeit machen musste, um dann zu Hause wie ein Aussätziger behandelt zu werden. Bereits mit dem zweiten und dritten Teil der Serie war Rambo jedoch zum erfolgreichen Poster-Boy der Reagan-Ära mutiert - und verschwand für 20 Jahre von der Leinwand.

Der mittlerweile 61-jährige Stallone suchte sich als Hintergrund für Rambos Rückkehr aus dem Ruhestand, die er selbst geschrieben und inszeniert hat, die Situation in Birma (Myanmar) aus, wo einer der brutalsten und längsten Bürgerkriege der Welt tobt. Dorthin ist im Film eine Gruppe christlicher Missionare und Ärzte unterwegs, um Medizin und Lebensmittel zu liefern. In Thailand stöbern sie John Rambo auf, der hier wie ein Eremit lebt und seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Schlangen bestreitet. Er soll den Trupp um Sarah (Julie Benz) und Michael (Paul Schulze) mit seinem Boot flussaufwärts nach Birma bringen und dort absetzen.

Der desillusionierte Veteran hält die Mission der Christen für sinnlos - schließlich lässt er sich überreden und bringt seine Passagiere an ihren Zielort. Zurück in seinem Dorf erfährt Rambo nach zwei Wochen, dass Sarah und ihre Freunde verschollen sind. Ein Pastor bittet ihn, einer Gruppe von Söldnern bei der Rettungsaktion zu helfen.

Stallones vierter "Rambo"-Film zeigt die mit Abstand grausamsten und brutalsten Bilder, die in den letzten Jahren in einem Vertreter dieses Genres zu sehen waren und ist damit viel mehr Kriegsfilm als Popcornkino. Der Regisseur hat sich aus Respekt vor dem realen Hintergrund seiner Geschichte mit bewundernswerter Konsequenz dafür entschieden, die kriegerische Gewalt im Dschungel nicht weich zu zeichnen.

Wenn also die feindlichen Soldaten ein wehrloses Dorf überfallen, Frauen und Kinder abschlachten, dann zeigt Stallone das in allen Details. Fans hirnloser Baller-Orgien sollten hier eigentlich die Freudengluckser im Hals stecken bleiben. Unvermeidbar aber ist die tiefe Genugtuung, die man empfindet, wenn der Held zurückschlägt und die "Bösen" dem Erdboden gleichmacht.

Denn bei allem grimmigen Realismus will schließlich auch der vierte Teil der Übersoldaten-Saga zugleich Unterhaltung bieten - auch wenn sie bitter schmeckt. Und genau da ist Stallones Film leicht schizophren, denn Heldensaga und ultra-realistische Kriegs-Doku gehen unterm Strich keine komplett geglückte Genre-Symbiose ein. Trotzdem hat er, wie letztes Jahr für "Rocky", auch seiner zweiten großen Filmfigur letztlich ein stimmiges Finale verpasst - voller Wiedersprüche wie der misanthropische Kriegsveteran selbst.

Heimkehr des Helden



Am Ende des Filmes, nach der großen Schlacht, steht der geschundene Krieger blutverschmiert auf einem Hügel und blickt auf die Missionare herab, die sich erleichtert in die Armen fallen. Lange spielt einsame, stumme Verzweiflung in Rambos Gesicht - er weiß, dass er ein Außenseiter ist, der niemals irgendwo hin gehören kann. Als er kurz vorm Abspann trotzdem in seine amerikanische Heimat zurückkehrt, wünscht man ihm, er möge endlich auch seinen inneren Krieg gewinnen. Dass man sich nach 85 Minuten Gemetzel noch für das Seelenleben des Helden interessiert, das hebt "John Rambo" über das Niveau eines hirnlosen Blutbades - knapp, aber immerhin.

Originaltitel: "Rambo" - Regie/Drehbuch: Sylvester Stallone - Darsteller: Sylvester Stallone, Julie Benz, Paul Schulze, Matthew Marsden, Graham McTavish, Ken Howard - Musik: Brian Tyler - 91 Minuten - FSK: ab 18 - wwws.warner bros.de/johnrambo


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