Im Schlund des Terrors
"Cloverfield": Gewagter Monsterfilm für die YouTube-Generation
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| Amerikanischer Alptraum: Der Kopf der Freiheitsstatue liegt abgetrennt in der Straße. Den fassungslosen Menschen dämmert, was los ist. Bilder: UIP |
J. Abrams, Schöpfer solch populärer TV-Serien wie "Alias" und "Lost" und Regisseur von "Mission: Impossible III", schwebte ein Monsterfilm vor: So wie die "Godzilla"-Streifen eine Reaktion auf die Angst in Japan in der Zeit nach dem Atombomben-Abwürfen waren, ein Katalysator für die Ängste des Publikums, so plante Abrams ein Pendant. Ein "All American Monster". Seit dem 11. September 2001 gibt es in den USA Ängste genug, und genau mit diesem dumpfen Druck auf der Seele des Landes wollte er spielen. So viel sei vorweg genommen: Etliche Szenen in "Cloverfield" ähneln auf unheimliche Art den TV-Bildern an jenem schwarzen Tag vor über sechs Jahren.
Weil Abrams sich derzeit um die Kino-Wiederbelebung des "Raumschiffs Enterprise" kümmern muss, gab er seinem College-Freund Matt Reeves den Auftrag, "Cloverfield" Wirklichkeit werden zu lassen. Reeves entwickelte mit Abrams ein Konzept für den Film, das 1999 schon beim Horror-Schocker "The Blair Witch Project" funktioniert hatte: Die gesamte Handlung wird durch das Objektiv der Videokamera einer einzigen Person erzählt und dem Publikum als Pseudo-Doku angeboten. Was bei der angeblichen Hexenjagd so prächtig klappte, fesselt auch bei der fiktiven Attacke einer gigantischen Bestie auf New York City - und ist genauso fordernd für das Auge des Betrachters.
Das Konzept wird von Reeves über die volle Laufzeit durchgezogen: Wackelige Bilder, hektische Schwenks, krachender Ton. Keine Filmmusik, keine konventionellen Schnitte, keine sauber ausgeleuchteten Kulissen, kein Stativ für die Kamera. Keine bekannten Schauspieler.
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| Im Fokus: Rob (Michael Stahl-David) und Beth (Odette Yustman). |
Was folgt, ist eine atemberaubende Flucht quer durch die Stadt, im Strom der panischen Menschenmasse - immer in der Ungewissheit, wer oder was sie eigentlich angreift. Die Flüchtenden versuchen erst dem Terror zu entkommen - dann starten sie eine Rettungsmission, um Robs Freundin Beth (Odette Yustman) aus einem halb zerstörten Haus zu bergen. Und Hud hält immer die Kamera drauf.
Wer einen Monsterfilm im klassischen Sinn erwartet, ist nicht nur wegen des ungewöhnlichen Erzählstils im falschen Kino. Reeves gönnt uns nur wenige Blicke auf das Biest, erst gegen Ende und sehr kurz ist das namenlose Ungeheuer richtig zu sehen. Woher es kommt, wie und ob es bezwungen werden kann - keine dieser Fragen wird beantwortet.
Stattdessen gibt Reeves dem Publikum keinen Grund zum Auf- und kaum eine Chance zum Durchatmen und spielt virtuos auf der Klaviatur der Ängste. Menschen, verloren im Chaos einer Stadt, die angegriffen wird - wenig subtil sind die Anspielungen auf jüngste Geschichte der USA. Dennoch: In Zeiten von YouTube, in denen alles und jeder mit selbst gedrehten Filmchen im Internet auf dem Präsentierteller liegt, haben Reeves und Abrams genau den richtigen Stil gewählt. Sie haben viel gewagt und ein Genre neu definiert.
Regie: Matt Reeves - Darsteller: Michael Stahl-David, Mike Vogel, Odette Yustman, Lizzy Caplan, Jessica Lucas, T. J. Miller - FSK: ab 12 - Länge: 85 Minuten - Internet: www.cloverfield-derfilm.de
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