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Hirschjagd in Manhattan: In seinem neuen Film "I Am Legend" rast Will Smith in der Rolle des Überlebenden einer Epidemie allein durch das menschenleere New York. Im Sportwagen folgt er einer Herde Wild, die an zerstörten Autos und verfallenen Häuserfronten vorbei über grasbewachsenen Asphalt prescht.
Als die Hirsche in einen Tunnel flüchten, ist die Jagd zunächst vorbei: Der Protagonist kann nicht folgen, denn in der Unterwelt von New York lauert der Tod. Tausende von Zombies scheuen das Tageslicht und warten dort auf den Einbruch der Nacht. "I Am Legend" basiert auf dem gleichnamigen Horror-Science-Fiction-Klassiker von Richard Matheson aus dem Jahr 1954 (siehe Info-Kasten).
In seiner Film-Version hat Regisseur Francis Lawrence ("Constantine") die angestaubte Buchvorlage radikal entschlackt. Er verzichtet auf Mathesons Vampirjagd mit Holzpfählen bei Tag und nächtlichem Versteckspiel mit Kreuz und Knoblauch. Im Film bleiben die Untoten lange Zeit im Schatten verborgen. Damit hält sich Lawrence an die ungeschriebene Horrorfilmregel, wonach unsichtbarer Schrecken wirksamer ist als Monsterfratzen bei Licht. Die Handlung von Filmen über einzelne Überlebende nach der Apokalypse bringt zumeist wenig Neues. Auch der neuseeländische Klassiker "Quiet Earth" (1985) handelte von einem wissenschaftlichen Experiment, das die Weltbevölkerung auslöscht und einen gescheiterten Wissenschaftler einsam zurück lässt.
In "28 Days Later" (2002) flieht eine Schar Überlebender vor Zombies zu einer letzten Kolonie menschlichen Widerstandes. "I Am Legend", laut Produktionsnotizen teilweise an Originalschauplätzen gedreht, ist eine Mischung aus beiden. In Rückblenden wird der Einbruch der Katastrophe nur kurz angerissen. Dadurch bleibt viel Raum für die Erzählebene, in der Smith von einem Hund begleitet durch die städtische Wildnis streift.
Nachapokalyptische Szenen vom Golfspielen auf einem verlassenen Flugzeugträger und Begegnungen mit Raubkatzen im Zentrum der einstigen Millionenmetropole unterstützen die eindrucksvolle schauspielerische Ein-Mann-Show visuell. Die Spannungsspirale dreht sich auch ohne Zombiegemetzel nach oben, wenn etwa eine Schaufensterpuppe wie von unsichtbarer Hand verschoben ist.
Erst im letzten Teil des Streifens erliegen die Filmemacher Genrekonventionen von Zombie-Filmen. Heerscharen Untoter verfolgen den Protagonisten, und andere Überlebende inklusive der attraktiven Anna (Alice Braga, "City of God") tauchen als Retter auf. Dann merkt man "I Am Legend" an, dass auch dieser US-Film im Zeichen des 11. Septembers steht. "Das hier ist Ground Zero", sagt Smith mehrfach und spannt damit den Bogen zum gegenwärtigen Terrortrauma.
Am Ende erreichen die Überlebenden aus göttlicher Fügung heraus das rettende Bergdorf, das nach der Katastrophe gebaut wurde, und dessen Kirche friedlich von der Stars-and-Stripes-Fahne umweht wird. Die anderen Romanverfilmungen enden mit pessimistischeren Bildern: Den "Last Man on Earth" töten Virusinfizierte am Altar einer Kirche, und Charlton Heston stirbt als "Omega Mann" am Kreuz. "I Am Legend" spielte vielleicht auch wegen seines positiveren Ausgangs in den USA in drei Wochen etwa 139 Millionen Dollar (95 Millionen Euro) ein.
Regie: Francis Lawrence - Darsteller: Will Smith, Alice Braga, Dash Mihok, Salli Richardson, Charlie Tahan, Paradox Pollack, Sterling Wolfe, Michael Ciesla, Thomas J. Pilutik - Musik: James Newton Howard - 100 Minuten - frei ab 16 wwws.warnerbros.de/iamlegend
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