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Regensburg
Märchenstaub
Filmmatinée mit zwei Arbeiten des mit dem Studenten-Oscar prämierten Nachwuchsregisseurs Toke Hebbeln
Regensburg. Fest etabliert hat sich bei der Regensburger Kurzfilmwoche eine dem Hauptsponsor, der BMW AG Regensburg gewidmete Sonntagsmatinée. Dieses Jahr wurde in diesem "Programm des Geldgebers", passend, ein mit (Preis-)Geldern überhäufter, weil auf technisch sehr hohem Niveau arbeitender junger Regisseur mit zwei Filmen vorgestellt: Toke Constantin Hebbeln, Jahrgang 1978 und frischgebackener Absolvent des Studiengangs "Regie/Szenischer Film" an der Filmakademie Baden-Württemberg.
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Mit Grund, wie das Matinéepublikum feststellen konnte. Nimmermeer ist die technisch souveräne und intellektuell belanglose Inszenierung einer sehr banalen Märchenerzählung über die Konflikte eines neunjährigen Jungen mit seiner engeren Umgebung, primär seinem gealterten Vater, einem erfolglosen Fischer, und nach dessen Tod mit dem Dorfpfarrer. Der Junge will den Verlust seiner wichtigsten Bezugsperson nicht verkraften, lässt sich bestrafen und sucht Zuflucht in Träumereien, die gefördert werden vom Leiter eines Wanderzirkusses, der zugleich als Erzähler die Geschichte flankiert. Die Handlung ist märchengerecht weder zeitlich noch örtlich einzuordnen, spielt vielleicht in einem Dorf an der Nordseeküste irgendwann zur Jahrhundertwende.
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Zu Ihrer anderen Frage, Herr Hebbeln:
> Welcher Film bedient kein Klischee?
Davon abgesehen, dass ich nicht das Bedienen _eines_, sondern das Bedienen _vieler_ Klischees negativ bewertet hatte und abgesehen davon, dass man Klischees in kritischer Funktion verwenden und sie damit auch gegen sie selbst richten kann zur Beförderung einer kritischeren Sicht auf "die" gegenwärtige gesellschaftliche Lage:
unter den mir spontan in den Sinn kommenden Filmen, die kein Klischee bedienen, wären
- "Die Kinder von Tokyo" von Yasujiro Ozu
- "Au hasard Balthazar" (dt. Titel "Zum Beispiel Balthasar") von Robert Bresson
- "Aguirre, der Zorn Gottes" von Werner Herzog
- "Eraserhead" von David Lynch
- "Following" von Christopher Nolan
Das sind vermutlich nicht die "besten Filme aller Zeiten" oder meine "Lieblingsfilme", aber in ihrem Zusammenhang werden wir nicht von "Klischee bedienen" sprechen wollen. (?)
Besten Dank für den Korrekturhinweis, Herr Hebbeln!
Leider fand ich nach dem Film (und auch heute) keine Daten (etwa filmportal.de oder imdb.com) über die eingesetzte Musik - und habe bei der Wahl aus dem Gedächtnis zwischen Bartok und Schostakowitsch 50 Prozent Trefferchance vergeigt. Was mich nicht entlastet: ich hätte Toke Hebbeln oder Friedrich Dosch (oder vielleicht Martina Eisenreich) fragen sollen, bevor ich das so veröffentlicht hatte.
> Seit wann ist Béla Bartók sentimental?
Béla Bartók und Dmitri Schostakowitsch sind zwei Komponisten, die gerne dick auftragen, und wo sie (etwa in den langsamen Sätzen) Gefühl dick auftragen, rutscht das gerne ins sentimentale - wobei der filmische Kontext und die Grundstimmung, in die er die Zuseher/in versetzt, hier die Rutschrichtung mitentscheidend vorgeben. Gefühlig ist ihre Musik m.E. in vielen Passagen aber auch schon für sich - allzu forciert und allzu wenig aus dem musikalischen Aufbau abgeleitet sind Gesten der Trauer, allzuoft wird auf überkommene Marschmittel zurückgegriffen.
Dies - und ebenso der Umstand, dass ich die beiden über einen Kamm schere - müsste natürlich ausführlicher begründet werden. An dieser Stelle möge der Hinweis auf Morton Feldmans Diktum "Das ist doch Kindergarten!" über Schostakowitschs kontrapunktische Methoden ausreichen (aus dem Gedächtnis paraphrasiert, steht im "MusikTexte"-Band über Feldman zitiert).
„Zum anderen wird selbstverständlich auch hier noch eine Schicht Sentiment draufgebuttert, mit zwei angespielten Sätzen aus einem Streichquartett von Bela Bartok..“.
Hier irrt der Autor Christian Vogel!
Die beiden vom Autor genannten vollständig gespielten Sätze stammen nicht von Béla Bartók, sondern von Dmitri Shostakovich:
Streichquartett Nr. 8 op. 110
1. Largo,
2. Allegro Molto.
Seit wann ist Béla Bartók sentimental?
Welcher Film bedient kein Klischee?



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