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Von Ulrike Cordes, dpa  |  21.07.2007  | Netzcode: 11046451

Alltagspoesie aus Berlin

Bernd Böhlichs melancholische Sozialkomödie "Du bist nicht allein"

Nichts ist ungeheurer als der Alltag - zumal, wenn es sich um den Alltag durchschnittlicher Menschen in der Mitte des Lebens in Berlin-Marzahner Plattenbauten handelt: Mit solchen oder ähnlichen Gedanken mag Bernd Böhlich bei seinem ersten Kinofilm "Du bist nicht allein" zu Werke gegangen sein. Seine Beschreibung des Lebens von fünf Verlierern - zwei Paaren und einer Single-Frau -, für die die Karten noch einmal neu gemischt werden, legt Böhlich als melancholische Sozialkomödie an.

"Du bist nicht allein" erzählt alltäglichen
"Du bist nicht allein" erzählt alltäglichen Geschichten von fünf durchschnittlichen Menschen, alle in der Mitte ihres Lebens. Hartz IV-Empfänger Hans (Axel Prahl) verliebt sich in seine neue Nachbarin; seine ahnungslose Frau (Katharina Thalbach) startet durch in ihrem neuen Job . Bild: Neue Visionen Filmverleih
Der 1957 in Dresden geborene, Grimme-Preis-gekrönte Fernseh-Regisseur ("Der Verleger", "Polizeiruf 110", "Tatort") und Drehbuchautor vertraut der Ausdruckskraft renommierter Mimen wie Katharina Thalbach, "Tatort"-Star Axel Prahl und Herbert Knaup. Was poetisch-stimmungsvoll gemeint ist, gerät Böhlich allerdings nicht immer stimmig. "Du bist nicht allein, wenn Du träumst heute Abend, Du bist nicht allein, wenn Du träumst von der Liebe": Hartz IV-Empfänger Hans (Prahl) singt den alten Roy-Black-Schlager, als er bei der Wohnungseinweihungsparty seiner neuen Nachbarin (Katerina Medvedera) von deren russischen Freunden zum musikalischen Vortrag aufgefordert wird. Der Abend endet damit, dass Hans und Jewgenia eng umschlungen tanzen.

Und für den Endvierziger beginnt ein neues Leben: Er hat sich verliebt und umwirbt die aparte Russin - doch die erwidert seine Zuneigung nicht gleichermaßen. Hans' ahnungslose Frau (Thalbach) hingegen wirft sich in eine blaue Uniform und widmet sich mit Eifer ihrem neuen Job in der Sicherheitsbranche. Und dann gibt es noch den lethargischen arbeitslosen Physiker Kurt (Knaup), der seine Ex, die erfolglose Schauspielerin Sylvia (Karoline Eichhorn), nicht vergessen kann. In unspektakulären Szenen skizziert der Regisseur hier Enttäuschungen und Versagen, Hoffnungen und Träume, Chancen und Mut.

So schenkt Hans in unbeholfenen Gesten Jewgenia nicht nur eine neue Waschmaschine, sondern auch den Gummibaum aus seiner eigenen Familienstube. Oder Kurt blickt, mit einem Glas in der Hand, sehnsuchtsvoll auf das Haus, in dem er einst mit Sylvia lebte. Katharina Thalbach ("Hände weg von Mississippi") hingegen dreht richtig auf - als hintergangene Ehefrau wie als frisch gebackene Sicherheitsbedienstete. So erscheint der Film manchmal rührend, manchmal sozial anklagend, dann wieder komisch, bisweilen - etwa wenn Hans vorgibt, holländisch zu sprechen - sogar albern.

Weitere Informationen im Internet: www.oefilm.de


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