(AFP)
PORTRÄT: Verborgen hinter einem Rauschebart
Ex-Serbenführer nach fast 13 Jahren gefasst
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| Karadzic © AFP / |
Fast 13 Jahre war Karadzic auf der Flucht, von serbischen Sympathisanten gedeckt. Doch allmählich brachen die Schutzmauern weg, die Regierung in Belgrad war stärker an einer West-Integration als am Fortbestand der großserbischen Mythen interessiert, von denen Karadzic und sein noch immer flüchtiger Militärchef Ratko Mladic beseelt waren. Als die jugoslawischen Teilrepubliken Anfang der 90er Jahre in die Unabhängigkeit strebten, stemmten sich die bosnischen Serbenführer mit aller Gewalt gegen den Willen der Kroaten und Muslime in Bosnien. Außer für das Massaker von Srebrenica sollen sich Karadzic und Mladic auch für die 43 Monate währende Belagerung Sarajevos verantworten, bei der 10.000 Zivilisten ums Leben kamen.
Obwohl das US-Außenministerium auf seine Ergreifung eine Belohnung von umgerechnet 3,1 Millionen Euro aussetzte, gelang es Karadzic immer wieder, sich den Häschern zu entziehen. Zahlreiche Fahndungseinsätze und Razzien der SFOR-Truppen in den Häusern von Verwandten des serbischen Nationalisten blieben erfolglos. Vergeblich wurde die langjährige UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte wiederholt in Belgrad vorstellig, um auf die Festnahme der früheren bosnischen Serbenführer zu pochen.
Als Präsident der selbst ernannten bosnischen Serbenrepublik ordnete Karadzic internationalen Beobachtern zufolge die brutale Kampagne gegen die muslimische Bevölkerung an, durch die im Bosnien-Krieg rund eine Million Menschen vertrieben wurden. Seit dem Zweiten Weltkrieg hatte es in Europa keine vergleichbaren Gräueltaten gegeben, wie sie nun unter dem verharmlosenden Begriff der "ethnischen Säuberungen" begangen wurden. Militärisch gab es auch nach drei Jahren keinen Sieger - im Friedensvertrag von Dayton wurde Ende 1995 eine Unterteilung Bosniens festgelegt, die Serben erhielten ihre eigene Teilrepublik (Republika Srpska) mit Karadzic als Präsident.
Mord, Vertreibung, Vergewaltigung - diese Gräueltaten passen auf den ersten Blick nicht zu einem gelernten Arzt und Psychiater, der in seiner Freizeit Kindergedichte und serbische Volksmusik schrieb. Doch Gewalt und Unterdrückung ziehen sich durch die Familiengeschichte des im Juni 1945 geborenen Radovan Karadzic. Sein Vater kämpfte auf Seiten der Tschetniks, der serbischen Ultranationalisten, die während des Kriegs mit den Nazis kollaborierten. Unter den Kommunisten wurde der Vater inhaftiert, die Familie geächtet.
Nachdem er sich mehrere Jahre als Serbenführer profiliert hatte, erfolgte Karadzics Abstieg in Etappen. Vor den Friedensverhandlungen in Dayton verlor er die Unterstützung seines Mentors in Belgrad, Slobodan Milosevic. Die Anklage vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag 1995 stellte Karadzic endgültig ins Abseits. Nachdem ihm alle öffentlichen Auftritte untersagt worden waren, gab er 1996 die Präsidentschaft der bosnischen Serbenrepublik an seine Stellvertreterin Biljana Plavsic ab. Zunächst führte er in der Serben-Hochburg Pale noch ein fast unbehelligtes Leben. Doch bald wurde ihm das zu heikel, Karadzic verschwand aus seinem Haus und ging in den Untergrund.
© 2008 AFP

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