(AFP)
REPORTAGE: Gerechtigkeit für Srebrenica
Bosnische Muslime bejubeln die Festnahme von Karadzic
|
|
| Bosnier feiern die Verhaftung Karadzics © AFP / Elvis Barukcic |
Dass Karadzic am Montagabend nach fast 13 Jahren auf der Flucht von den serbischen Behörden gefasst wurde, ist für die bosnischen Muslime eine tiefe Genugtuung. Noch vor elf Tagen trauerten sie am Jahrestag des Massakers von Srebrenica um die Opfer des schwersten Kriegsverbrechens in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. 30.000 Menschen waren dabei, als in der Gedenkstätte Potocari nahe Srebrenica die sterblichen Überreste von 300 weiteren Opfern bestattet wurden. Noch immer haben Gerichtsmediziner nicht alle der rund 8000 in Massengräbern gefundenen Toten identifiziert. Karadzic gilt als Hauptverantwortlicher für die Gräueltat aus dem Juli 1995.
"Endlich tritt Gerechtigkeit ein", sagt Kada Hotic von der Organisation "Mütter von Srebrenica" - ein Zusammenschluss von Frauen, deren Männer und Söhne bei dem Massaker ermordet wurden. "Was heute Abend passiert ist zeigt, dass sich Kriminelle nicht auf ewig verstecken können." Der muslimische Vertreter der dreiköpfigen bosnischen Präsidentschaft, Haris Silajdzic, erklärt im Staatsfernsehen: "Das stärkt das Vertrauen in die Justiz."
Auf den Straßen Sarajevos fallen sich die Menschen in die Arme. "Wir werden von einer Bar in die nächste ziehen um zu feiern", sagt Medizinstudent Almir Tufo, der mit seinen Freunden vor einer Diskothek steht. Er fügt hinzu: "Jetzt ist Ratko Mladic an der Reihe." Der bosnisch-serbische Ex-General ist wie Karadzic wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg angeklagt, bislang war er die Nummer zwei auf der Fahndungsliste. Das UN-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien vermutet, dass er sich in Serbien versteckt hält.
Während die bosnische Hauptstadt feiert, gehen in Belgrad serbische Ultranationalisten auf Straße. Rund 50 teilweise vermummte Mitglieder der Bewegung Obraz versammeln sich vor dem Gebäude des serbischen Kriegsverbrechergerichts, Polizisten haben die Lage aber unter Kontrolle. Karadzic' Tochter, Sonja Karadzic Jovicevic, will sich nicht äußern: "Ich habe Ihnen dazu nichts zu sagen", äußert sie in Pale, dem früheren Hauptquartier des bosnischen Serbenführers.
Die bosnischen Serben erwarten nun, dass der 63-jährige Karadzic auch zur Verantwortung gezogen und in Den Haag zu lebenslanger Haft verurteilt wird. "Ich wünsche ihm ein langes Leben", sagt Lamoija, ein Anwalt aus Sarajevo. "Ich möchte nicht, dass es so endet wie bei Milosevic." Der ebenfalls vor dem UN-Tribunal in Den Haag angeklagte serbische Ex-Präsident Slobodan Milosevic war im März 2006 im Gefängnis gestorben - bevor die Richter ihr Urteil fällen konnten.
© 2008 AFP

versenden
drucken
Leserbrief


























