11.10.2008, 16:25 Uhr
(AFP)
Bundesregierung will Banken-Hilfspaket schnüren
Merkel schließt "Kapitalstützungen" nicht aus
 |
Bankenviertel in Frankfurt © DDP/AFP / Thomas Lohnes |
Die
Bundesregierung will offenbar bis Sonntag ein Hilfspaket
für die von der Finanzkrise gebeutelten Banken
schnüren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss
"Kapitalstützungen" für die Banken nicht
aus. Dies sei aber keine "Verstaatlichung", betonte
sie. Die Details der Hilfsmaßnahmen
würden noch erarbeitet, sagte ein
Regierungssprecher. Für eine Festlegung auf die
konkrete Ausgestaltung und den Umfang seien die
Gespräche der Staats- und Regierungschefs der
Euro-Gruppe am Sonntagnachmittag in Paris abzuwarten.
 |
Merkel und Sarkozy © AFP / Jeff Pachoud |
Wenn für die Banken Kapital bereitgestellt werde, sei
dies nichts anderes, als wenn sich auch sonst Firmen Kapital
auf dem Markt besorgen würden, sagte Merkel nach ihrem
Treffen mit dem französischen Präsidenten Nicolas
Sarkozy in Colombey-les-deux-Eglises. "Insofern ist es
in dem Sinne keine Verstaatlichung, dass der Staat jetzt
vorhat, auf Dauer in die Banken einzugreifen, sondern es ist
eine Hilfe durch den Staat."
 |
Gedenkstätte © AFP / Jeff Pachoud |
Nach
Informationen des "Handelsblatt" will die
Regierung das Rettungspaket bereits am Montag verabschieden.
"Ziel der Regierung ist es, so schnell wie möglich
die erforderlichen Gesetze zu verabschieden und so für
eine Beruhigung der Märkte zu sorgen", sagte ein
Regierungsvertreter in Washington der Zeitung. Am
Dienstag sollen demnach die Koalitionsfraktionen über
das Rettungspaket entscheiden. Für Mittwoch sei eine
Sitzung des Haushaltsausschusses geplant. "Es wäre
gut, wenn sich das Parlament bereits in der kommenden Woche
mit dem Rettungspaket befasst", hieß es in
Regierungskreisen weiter.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) betonte, als
Gegenleistung für die Annahme staatlicher Hilfe
müssten sich die Banken an bestimmte Auflagen halten.
Das staatliche Engagement sei aber
alternativlos, weil die Finanzkrise "längst
Übersprungeffekte in die Realwirtschaft" bewirkt
habe. Bundesbank-Chef Axel Weber versicherte, dass die
Banken für die Hilfe des Staats "später zur
Kasse gebeten werden, wenn es ihnen wieder besser geht".
Unions-Fraktionschef Volker Kauder sagte in der
"Bild am Sonntag", wenn der Staat sich direkt am
Eigenkapital der Banken beteiligen will,
müsste das Parlament einen
Nachtragshaushalt beschließen, der die Bundesregierung
zur Aufnahme neuer Schulden ermächtigt. Dafür
wurden in Koalitionskreisen mögliche Beiträge
zwischen 50 Milliarden und 100 Milliarden Euro genannt, wie
"Handelsblatt.com" berichtete.
© 2008 AFP