Aphrodite mag's nicht nur heiß
Zypern, die "Insel der Götter" lockt auch im Spätherbst und Winter
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| Die Geburtsstätte Aphrodites auf Zypern: Hier soll die sagenumwobene Göttin der Liebe und der Schönheit aus dem Meeresschaum entstiegen sein. Auch im November lässt es sich hier bei etwa 26, 27 Grad gut baden. Bilder: Maier |
Jetzt zieht es ihn noch einmal in den Klosterhof, vorbei an der orthodoxen Kirche, die eine wertvolle Lukas-Ikone beheimatet. Dieser werden heilende Kräfte nachgesagt. Dionysos ist Abt des Klosters Chrysorroyiatissa hoch oben über der zypriotischen Hafenstadt Pafos. Und er ist Wächter über den Wein, der hier in der kargen Gegend produziert wird. Seine Stimme krächzt, wenn er erzählt. Seit den 80er Jahren sei der Weinanbau weiter vorangetrieben worden, mittlerweile würden Tausende von Flaschen pro Jahr hergestellt.
"Auch nach ökologischen Standards", betont er. "Seht her", flüstert er und greift nach einer Ausgabe des Schweizer Weinmagazins "Vinum"; "Hier nennen sie mich den König des Weins des östlichen Mittelmeers." Und Könige sind großzügig: "Wenn der Umbau hier fertig ist, lade ich euch alle zum Essen ein", verspricht er den Besuchern vorm Speisesaal.
Auch das ist Zypern im östlichen Mittelmeer. Allerdings lockt die "Insel der Götter" vor allem mit ihren Badestränden in malerischen Buchten und mit Sonne ohne Ende - 340 Tage pro Jahr sollen es sein. Die Temperaturen steigen im Juli und August locker bis 35 Grad. Somit ist das Eiland für Badeurlauber seit jeher ein Eldorado. Doch die Götter mögen's nicht nur heiß, sondern manchmal einfach nur angenehm warm. "Im Januar haben wir im Schnitt immer noch knapp 20 Grad", sagt Andreas Sakkas. "Und der Januar ist der kälteste Monat."
Der 59-Jährige kennt hier jedes Fleckchen, auch wenn er schon seit Jahren die Fremdenverkehrszentrale Zyperns in Frankfurt leitet. "Gerade die Zeit von Oktober bis März ist ideal, um die Insel zu entdecken." Die Tourismusexperten fokussieren sich zunehmend vor allem auf diesen Zeitraum, um Urlauber auf die drittgrößte Mittelmeerinsel zu locken.
Aus dem Schaum des Meeres
Etwa zu Aphrodite: Vor dem Felsen, dort, wo die sagenumwobene Göttin der Liebe aus dem Schaum des Meerwassers entstiegen sein soll, stürzen sich Urlauber auch Mitte November ins gar nicht kalte Wasser. Gut vier Wochen vor Weihnachten. Sakkas: "Das hier ist die wärmste Ecke im ganzen Mittelmeerraum."
Dimitris Siailis genießt diesen Ausblick Zyperns immer wieder. Er lebt in der Hauptstadt Nikosia und führt Reisende durchs Land. Der studierte Hochbauingenieur hat alles zu den Mythen und Legenden der Geschichte Zyperns auf Lager, weiß aber auch viel über das banale Leben auf der Insel. Etwa übers Autofahren und über Nummernschilder. "Bei den roten muss man aufpassen", sagt er lachend, "das sind Touristen. Es ist schließlich nicht einfach, links zu fahren." Einige dieser roten Schilder mit Autos schlängeln sich vorsichtig hinauf ins bergige Hinterland. Und stoppen im Dörfchen Malia.
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| Begehrte Fotoobjekte: die freigelegten Mosaike im archäologischen Park von Pafos. |
Gelangweilt beobachtet Marelena Athini die Szenerie auf dem Dorfplatz. Sie steht in der angrenzenden Taverne hinter der Theke. Mutter Mirula arbeitet in der Küche. Und erzählt von der Tragik vieler Familien auf der Insel, die auch ihre ist. "Wir stammen aus Famagusta, sind 1974 nach der Vertreibung hierher gezogen." Noch immer hat die Teilung in den türkischen Norden und den griechischen Süden das Land im Griff, wenngleich die Grenzmauer mittlerweile durchlässig ist und die Zusammenarbeit der beiden Teile ständig besser wird.
Es wird noch lange dauern, bis alles wieder zusammenwächst, die Narben verheilt sind. Dimitris mag über Politik gar nicht allzu lange nachdenken. "Das ist traditionelle griechische Musik", sagt er und schiebt eine CD in den Player. Die Verbundenheit mit ihren Brüdern auf dem Festland ist den Zyprioten wichtig. Der Wirt in der Taverne "Katoi" in Omodos reicht unterdessen Moussaka, den traditionellen Halloumi-Käse, Lamm, Fisch und viel Gemüse. Es ist eine "meze", ein Essen in geselliger Runde, bis zu 20 verschiedene Speisen werden aufgefahren, der Zivania fließt reichlich. Es wird gesungen, zum Tanzen ist zu wenig Platz, die Taverne ist voll.
"Stadt unter der Stadt"
Solche Feste werden auch in Pafos, dem Zentrum des südwestlichen Landstrichs, gefeiert. Etwa 35 000 Einwohner zählt die Stadt, die zum Weltkulturerbe gehört. "Sie war im Altertum über einen längeren Zeitraum die Hauptstadt", erläutert Dimitris. Auch im November sind die Tavernen im Hafen noch voll. Zu der Zeit ist auch eine Tour durch den archäologischen Park aufgrund der angenehmen Temperaturen erträglich. Wissenschaftler aus aller Welt legen hier ein riesiges Areal frei. Dimitris: "Hier liegt unter der Stadt eine Stadt begraben." Erst etwa ein Hundertstel der Fläche sei freigelegt, sagt er: Gefunden wurden Überreste von Säulen, Bädern, Theatern, Mosaike, die heute noch gut erhalten sind.
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| Ein Fischer präsentiert schaurige, aber leckere "Meeresfrüchtchen" aus dem Meer vor der Südküste. |
Genauso will er aber auch die Möglichkeiten, aktiv Urlaub zu machen, fördern. Viele Radwege wurden zuletzt angelegt, Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz etwa holte sich ihre Kondition für Gold in Peking auf Zypern. Zudem ist Wandern im Kommen.
Der Blick zum Olympos
Ein vierter Golfplatz wird derzeit von Altmeister Nick Faldo nah am Meer gebaut. Auch von dort geht der Blick hinauf zum Olympos, mit knapp 2000 Metern der höchste Berg der Insel. "Natürlich gibt es hier im Winter Schnee. Wir haben auch Skigebiete", erzählt Dimitris. "Eine große, zwei kleine Abfahrten." Aber, das weiß auch er, auf diese Pisten dürften die Gäste doch weniger abfahren. Obwohl: Wer kann schon von sich behaupten, auf Zypern einmal Ski gefahren zu sein.
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