Rudolf Angerer, Vorsitzender der regionalen Kfz-Innung, spricht Klartext
Einer der sich wirklich auskennt in Sachen Auto ist Rudolf Angerer aus Schierling. Der Vorstandsvorsitzende der Kfz-Innung Oberpfalz und Kreis Kelheim spricht Klartext im Interview. Außerdem erläutert er , warum die Feinstaubplakette "purer Aktionismus" war.
autoSPEZIAL: Die Finanzkrise wirft dunkle Schatten über die Wirtschaft. Spürt auch die Automobilbranche ihren eisigen Hauch?
Rudolf Angerer: Nicht nur die Finanzkrise wirkt sich negativ auf die Automobilbranche aus. Auch die explodierenden Energiepreise und die Diskussion über die Feinstaubplaketten haben ihren Teil dazu beigetragen, dass die Zulassungszahlen seit Juni nicht mehr ganz so positiv sind. Diese Diskussion raucht übrigens bis jetzt. Vor allem die Automobilhersteller spüren die Entwicklung.
Wie wirkt sich das auf den Handel aus?
Rudolf Angerer: In Zeiten wie diesen, wenn die Finanzmärkte nicht stabil sind, investieren weniger Leute. Einige unserer Kunden denken sich: "Jetzt kaufe ich kein neues Auto." Dieses Verhalten bekommen wir sehr wohl zu spüren. Wir können nicht einfach unsere Sachen packen und woanders verkaufen. Wir haben uns ganz klar für den lokalen Markt entschieden und müssen mit den Problemen dort klarkommen. Ich beispielsweise habe gesagt: "Lebenslänglich Schierling!"
Rudolf Angerer, Vorsitzender der regionalen Kfz-Innung, spricht Klartext
Wie verhält es sich mit dem Gebrauchtwagenmarkt?
Rudolf Angerer: Da geht was. Vor allem im Bereich der Jahreswagen oder Tageszulassungen. Man muss nur mal heutzutage das durchschnittliche Fahrzeugalter betrachten. Vor gerade mal zehn Jahre betrug dieses rund 3,5 Jahre. Heute sind wir bei circa 8,2 Jahre.
Das heißt, dass die Menschen heute ihre Autos rund fünf Jahre länger fahren als noch vor zehn Jahren...
Rudolf Angerer: Das liegt natürlich an der Langlebigkeit der Autos heutzutage. Verzinkte Karosserien rosten nicht mehr so schnell und auch sonst hat sich einiges bei der Qualität getan. Dafür kommen die Kunden aber auch öfters zum Service.
Stellen Sie fest, dass sich nicht nur das Kaufverhalten verändert hat, sondern auch der Kunde an sich?
Rudolf Angerer: Früher haben die Leute ihre Wagen jeden Sonntag auf Hochglanz poliert. Wer macht das denn heute noch? Man sieht das Auto nicht mehr so als Statussymbol. Der Käufer heute hat viele individuelle Wünsche.
Rudolf Angerer, Vorsitzender der regionalen Kfz-Innung, spricht Klartext
Wie reagiert der Markt auf diese individuellen Kundenwünsche?
Rudolf Angerer: Er ist vielfältiger geworden. Die Hersteller besetzen jetzt Nischen, die der Markt fordert. Wir verkaufen von diesen "Nischenmodellen" zwar nicht mehr so hohe Stückzahlen, müssen wir aber auch nicht, da es ja viel mehr Segmente gibt. Früher haben die Hersteller oftmals nur ein Modell gehabt und das wie blöd verkauft. Heute verkaufen wir weniger Stückzahlen von einzelnen Modellen, dafür haben wir viel mehr Modelle.
Wie gut verträgt sich die Automobilbranche mit dem Umweltschutz?
Rudolf Angerer: Umweltschutz ist absolut wichtig! Nicht nur wir wollen leben, sondern wollen auch, dass unserer Kinder noch gut leben können, wenn sie erwachsen sind. Die Kfz-Innung steht absolut dafür ein. Alternative Antriebe wie Flüssiggas sind da absolut sinnvoll. Mit so einem Antrieb schont man nicht nur die Umwelt, sondern kann auch noch mächtig sparen.
Ist die Feinstaubplakette sinnvoll?
Rudolf Angerer: Nein! Das war purer Aktionismus. Da hätten unsere Politiker mal lieber mit Professoren und Medizinern sprechen sollen, bevor sie so etwas einführen. Von dem ganzen Feinstaubaustoß machen die Pkw gerade mal drei Prozent aus, die Lkw vier Prozent. Wenn Sie einen Kopierer einschalten produzieren sie auch Feinstaub. Das Nachrüsten von Partikelfiltern, das ist wichtig.
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