Nichts zu beweisen, nichts zu verlieren
"The Cosmos Rocks": Erstes Studioalbum von Queen + Paul Rodgers
Wenn am Wochenende in irgendeinem Sportstadion der Republik aus vollen Kehlen "wiiiiii ar se Schämpions, mei Fränds" in den Septemberhimmel gegrölt wird, dann haben wir das der britischen Rockband Queen zu verdanken. Die hat, mittlerweile als Duo unterwegs, mit Paul Rodgers endlich ein Album mit neuem Material aufgenommen - gute 17 Jahre nach dem Tod des eigentlich unsterblichen Freddie Mercury und "Innuendo", dem letzten Studioalbum.
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| Queen-Gitarrist Brian May (links), Queen-Schlagzeuger Roger Taylor (rechts) und Paul Rodgers. Bilder: EMI |
Um das, was Queen im Jahr 2008 in die Läden bringt, richtig einordnen zu können, muss man erstmal aus dem übermächtigen Schatten heraustreten, den der geniale Showman Mercury noch heute auf seine früheren Bandkumpels wirft. Denn Queen, das war immer mehr als "nur" der exzentrische Sänger mit der unkopierbaren Stimme, dem Schnauzer, den Macho-Posen. Queen, das waren immer auch das prägnante Gitarrenspiel von Brian May mit all seinen Spezialeffekten, der Schlagzeug-Beat von Roger Taylor und der treibende Bass von John Deacon.
Der ist leider mittlerweile im Ruhestand und wird auf dem neuen Album schmerzlich vermisst, auf dem May und Rodgers den Bass zupfen. Selbst das stimmliche Wasserzeichen der Band war ja nie Freddie Mercury allein - es waren auch die zusammen mit May und Taylor gesungenen Harmoniestimmen, die die 1970 gegründete Band unverkennbar machten. Sicher war es im Aufnahmestudio auch Mercurys Sinn fürs Schillernde ("Bohemian Rhapsody"!), der den klassischen Queen-Stil prägte - laut Wikipedia stammen immerhin 51 Queen-Songs aus seiner Feder, 46 schrieb May, 22 Taylor, 14 Deacon, weitere 35 stammen offiziell von allen vieren.
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| Queen und Paul Rodgers. |
Aber die Band nur auf Mercury zu reduzieren und den übrigen Musikern, wie oft geschehen, die Daseinsberechtigung als Queen absprechen zu wollen, ist schlicht falsch - und es wird gerne vergessen, dass die Band ja nicht nur Hits und Klassiker, sondern auch Grütze wie "Pain Is So Close To Pleasure" (aus dem Album "A Kind Of Magic", 1986) oder "Rain Must Fall" ("The Miracle", 1989) serviert hat. Von daher kann man an "The Cosmos Rocks", das erste Studioalbum von Queen + Paul Rodgers, ruhig unvoreingenommen und ohne übertriebene Skepsis herangehen.
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| Taylor, Rodgers, May: kein Grund für schlechte Laune. |
Und was hatte das Trio offenbar für einen Spaß: Denn gleich mit dem ersten Song, "Cosmos Rockin'", tritt es allen Erwartungen auf einen typischen Queen-Sound in den Hintern und liefert lupenreinen Rock'n'Roll. Während man sich also verwundert die Ohren reibt, folgt mit "Time To Shine" eine wunderschöne Mitsing-Nummer, bei der Paul Rodgers glänzt - aber auch hier Fehlanzeige für den, der nach einem zweiten "Hammer To Fall" oder einer Neuauflage von "Tie Your Mother Down" sucht. Gott sei Dank. Denn die drei Musiker verzichten - von ein Paar Soundeffekten und den bereits erwähnten anderen Markenzeichen mal abgesehen - vollkommen auf peinliche Selbstzitate. Lediglich beim stampfenden Rocker "Still Burnin'" rutscht kurz ein Sample von "We Will Rock You" dazwischen, was aber noch als Gag durchgeht.
Erdig , rockig, kantig
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| Das neue Album "The Cosmos Rocks" |
Alles in allem ist "The Cosmos Rocks" dank des fast völligen Verzichts auf Keyboardsounds ein vergleichsweise erdiges, kantiges Album geworden. Kein Meilenstein der Musikgeschichte vielleicht, und sicher keine Vision davon, wie Queen heute klängen, wenn Mercury noch lebte. Hier haben einfach drei gut gelaunte Briten um die 60 ein sehr, sehr, sehr gutes Rockalbum gemacht. Zu beweisen haben sie nichts mehr. Und zu verlieren auch nicht. Was für ein Spaß!
Weitere Informationen im Internet: www.queenonline.com
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