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Der zweifache Marathon-Olympiasieger Cierpinski (58) gibt mit Kanzlerin Angela Merkel den Startschuss zum Autobahnlauf
Waldemar ist da! Waldemar Cierpinski. Kennen Sie nicht? Aber diesen Satz kennen Sie: "Nennen Sie Ihre Söhne Waldemar!" Derart euphorisch feierte DDR-Sportreporter Heinz Florian Oertel den Zieleinlauf Cierpinskis beim olympischen Marathon 1980 in Moskau. Noch heute zählt der 58-Jährige aus Halle an der Saale mit seiner Siegerzeit von 2:09 Stunden zu den fünf schnellsten Marathonläufern Deutschlands aller Zeiten.
Unvergessen ist der Ausruf des Sportreporters, als sie 1976 über die Ziellinie in Moskau liefen: "Liebe junge Väter oder angehende, haben Sie Mut! Nennen Sie Ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar! Waldemar ist da!"
Cierpinski: Ach, ich fand das am Anfang gar nicht so gut. Eher unpassend für einen Marathon. Der gleiche Reporter hatte 1976 mein erstes Olympia-Gold in Montreal kommentiert: "Jetzt kommen sie: die Heroen der Landstraße! Reißen Sie die Fenster auf! Und wenn man steht, ist die Verbeugung tiefer." Das war schön.
Wissen Sie von Eltern, die ihre Söhne tatsächlich Waldemar getauft haben?
Cierpinski: Im Februar 1981 kam ein schüchternes Paar auf mich zu und erzählte mir, den Sohn Waldemar genannt zu haben. Wenig später traf ich ein zweites junges Paar.
Sind Sie Sportreporter Oertel also nicht mehr gram?
Cierpinski: Viele, viele Jahre später habe ich erst bemerkt, wie sehr sich die Leute durch diesen Satz an mich erinnern können. 1994 war ich zu einer Veranstaltung nach Osaka eingeladen, zehn Jahre nach Abschluss meiner Karriere. Dabei war ich bei einer Audienz der japanischen Kaiserfamilie. So als Zaungast. Als der offizielle Teil beendet war und alle schon zum Buffet strebten - ich natürlich auch - kam eine aufgeregte Dolmetscherin gelaufen: Der Kaiser möchte Sie sprechen!
Der zweifache Marathon-Olympiasieger Cierpinski (58) gibt mit Kanzlerin Angela Merkel den Startschuss zum Autobahnlauf
Der japanische Kaiser kannte Sie?
Cierpinski: Er stellte mich seiner Frau mit den Worten vor: "Das ist der berühmte Marathonläufer, der ein drittes Mal hätte Olympiasieger werden können. Das ist der Mann, nach dem sie in Deutschland ihre Söhne benennen." Da bin ich strammgestanden, können Sie sich vorstellen!
Sie selbst haben auch drei Söhne, geboren 1975, 1978 und 1982. Falk, der Älteste, ist derzeit der schnellste Marathoni Deutschlands. Ihre Bestzeit von 2 Stunden 9 Minuten hat er aber noch nicht geknackt.
Cierpinski: Er ist ja erst seit zwei Jahren beim Marathon und hat sich in dieser kurzen Zeit an die Spitze gesetzt. Vorher war er Triathlet, auch international schon ganz gut drauf. Die Voraussetzungen für den Marathon hat er sich da erarbeitet, bei sechs, sieben, acht Stunden Training am Tag.
Falk verpasste mit 2:15 knapp die Olympia-Norm von 2:13.
Cierpinski: Haben Sie Geduld bis nächstes Jahr zur Weltmeisterschaft in Berlin.
Der zweifache Marathon-Olympiasieger Cierpinski (58) gibt mit Kanzlerin Angela Merkel den Startschuss zum Autobahnlauf
Norm hin oder her - ein Deutscher im Feld wäre bei Olympia in Peking schön gewesen.
Cierpinski: Das hätte sicherlich tausende Läufer gefreut. Wie gesagt: Ein kleines bisschen Geduld müssen wir noch haben.
Sie waren in Peking vor Ort. Wie war's?
Cierpinski:Sehr beeindruckend. Die Chinesen hatten die Umgebung des Olympiastadions und des olympischen Dorfes wunderschön gestaltet. Am Abend herrlich beleuchtete Objekte, dazu sanfte Musik. Für mich war es ein besonderes Gefühl, dabei sein zu können: Für Los Angeles 1984 hatte ich mich schon qualifiziert, dann kam der Boykott dazwischen. Auch die Wettkämpfe waren sehr beeindruckend, Usain Bolts Lauf etwa. Auch wenn einem das nicht immer ganz geheuer vorkommt.
Hätten Sie gedacht, dass einmal einer Ihrer Jungs in Ihre Fußstapfen tritt?
Cierpinski:Eigentlich nicht. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Da darf man nicht dazwischenreden. Auch als Vater nicht.
Der zweifache Marathon-Olympiasieger Cierpinski (58) gibt mit Kanzlerin Angela Merkel den Startschuss zum Autobahnlauf
Cierpinski:Das kam von selbst. Falk wusste nicht einmal, dass er einen berühmten Läufer zum Vater hatte. Wir haben da in der Familie nie drüber geredet. Er ging damals aufs Gymnasium des Stadtsingechors in Halle, vergleichbar mit den Domspatzen. Wenn er mittags heim kam, lief er erstmal eine Runde und sagte danach: Jetzt geht's mir besser. Irgendwann kam er an und wollte "lieber Sport machen als Musik".
Heute trainieren und managen Sie Ihren Sohn. Dazu betreiben Sie zwei Sportgeschäfte und organisieren den Mitteldeutschen Marathon und den Goitzsche-Marathon in Bitterfeld. Kommen Sie da selbst noch dazu, die Laufschuhe zu schnüren?
Cierpinski: Marathon bin ich lange nicht gelaufen, eher 10 Kilometer bis Halbmarathon. Ich komme nur zwei Mal die Woche zum Laufen: einmal unter der Woche und am Wochenende mit meiner Frau Marita (Anm.: geborene Pohlitz, 1972 Olympia-Teilnehmerin 800-m-Lauf). Am Dienstag und Freitag spiele ich Fußball. Bei den Alten Herren des FSV 67 Halle. Sport ist für mich Gemeinschaft. Im Fußball im besonderen, weil man sich danach noch zusammensetzt, schnattert und ein Bierchen trinkt.
Der zweifache Marathon-Olympiasieger Cierpinski (58) gibt mit Kanzlerin Angela Merkel den Startschuss zum Autobahnlauf
Sie sind neben Kanzlerin Angela Merkel der prominenteste Ehrengast bei der Freigabe der A 6. Gemeinsam geben Sie den Startschuss zum Autobahnlauf (Mittwoch, 10. September, 16 Uhr, Parkplatz "Stocker Hut", Nähe Schmidgaden, offizieller Teil ab 15 Uhr). Kennen Sie Frau Merkel eigentlich schon?
Cierpinski:Nein, nicht persönlich. Aber das ist natürlich eine ehrenvolle Aufgabe für mich.
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