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Kronplatz-Gemeinden in Südtirol verstehen sich als "Ge(h)nuss-und-aktiv-Region"
Pustertal. Pia friert. Sie hat sich von der Sonne unten im Tal verleiten lassen und nur die kurze Wanderhose angezogen. Hier oben am Berg dann ein plötzlicher Wetterumschwung. "Nur noch ein paar Minuten", verspricht Gerd Tauber - und eine kleine Überraschung auf der Putzenhöhe.
Während sich die Gruppe etwas unterhalb des "Jochs" (2483 Meter) in den Windschatten stellt, packt der geprüfte Wanderführer seinen Rucksack aus. Selbst gemachte Wildsalami und Vinschgerl für alle hat der Vizepräsident der "Europa-Wanderhotels" mit herauf geschleppt.
Mehrmals in der Woche begleitet der 46-Jährige mit seinen Betreuern die Gäste in die Berge, zeigt, wie man Wanderstöcke richtig einsetzt und nicht nur spazieren trägt, zupft hier ein Gräslein, dort ein Blümlein und erzählt von der Kraft der Kräuter.
Seife selbst gemacht
"Bio-vital" nennt der Südtiroler sein Vier-Sterne-Haus in St. Sigmund in der Ferienregion Kronplatz, gebaut und eingerichtet nach baubiologischen Grundsätzen: also Möbel und Böden aus unbehandeltem Holz, Textilien aus Baumwolle und Leinen, die Seife im Bad selbst gemacht.
"Vollwert", sagt er, "weil wert-voll die Küche." Vieles kommt von den Nachbarn. Die Milch vom "Kahlerbauern", die Kuh- und Ziegenbutter vom "Michl" und der Topfen von der "Lippenbäuerin". Und während im gemütlichen Restaurant der Ober den Wein für das Vier-Gang-Menü empfiehlt, pflückt Küchenchef Hermann draußen im Garten die Kräuter für den knackigen Salat. Frischer geht es nicht. Während die Gäste auf der Terrasse kalten Hagebuttentee mit einem Schuss Apfelsaft aufgespritzt und einem Latschenkiefer-Zuckerl dazu als ungewohnten, aber sehr geschmackvollen Aperitif genießen, sorgt eine kreative Küchencrew für immer neue Überraschungen. Paprika-Suppe mit einer Kugel Minze-eis zum Beispiel. Oder Gnocchi mit Graukäse, einer wieder neu entdeckten Bergspezialität, die früher als Arme-Leute-Essen galt.
Kronplatz-Gemeinden in Südtirol verstehen sich als "Ge(h)nuss-und-aktiv-Region"
Wie auch die Speck-, Kräuter und Käseknödel, wie sie die Wirtsleut' auf der Moarhofalm servieren. Die urige Hütte auf 1833 Meter ist gefragte Rast auf dem Weg zum 400 Meter höher gelegenen Grünbachsee und auch im Winter wegen der Natur-Rodelbahn ein beliebtes Ausflugsziel. Weiter unten in St. Lorenzen/Runggen hat sich Lerchners Hofschenke typischen Südtiroler Spezialitäten verschrieben: Kalbskopf zum Beispiel und hausgemachte Schlutzkrapfen oder auch Kartoffelblattlan mit Sauerkrautfüllung und Bauernbratl vom Lamm.
Auf eine Schlemmerreise durch die regionale und internationale Küche nimmt Karl Baumgartner vom Restaurant Schöneck in der kleinen Gemeinde Mühlen bei Pfalzen seine Gäste mit. Der begnadete Autodidakt gilt als kreativster Spitzenkoch Südtirols, hat seit 1996 einen Michelin-Stern und wird aktuell bei Gault Millau mit 16 von 20 möglichen Punkten geführt.
Spargeleis zum Auftakt
Der 50-Jährige kocht je nach Marktangebot und Produkten der Saison, gerne auch italienisch-mediterran angehaucht. Als "amuse gueul" vielleicht grüne Oliven aus Sizilien, ein kleines Spargeleis danach und vor dem zarten Milchkalb aus Südtirol im Trüffelfond ein Filet vom Umberfisch auf Erbsencreme mit kandierten Tomaten und Limonenhonig.
Kronplatz-Gemeinden in Südtirol verstehen sich als "Ge(h)nuss-und-aktiv-Region"
Keine Angst vor den Kalorien. Geschlemmt wird ja nicht Quantität, sondern Qualität, wobei sich die Portionen durchaus sehen lassen können. Und nach Taubers Vital-Philosophie wandert der Überschuss an Energie-Reserven ja sowieso in den Gesundheitsspeicher. Und der ist gut für die nächste Bergtour, hinauf in die Welt, wo die Latschenkiefern den Unbilden der Natur trotzen.
Unbändige Kraft
"Die haben einen unbändigen Lebenswillen", weiß Gerd Tauber. Und die nutzt er, lässt sich von der benachbarten Latschenöl-Brennerei einmal in der Woche den Trester bringen. Die Zapfen und Nadeln werden über Dampf erhitzt und dann über den in Leinen gebetteten Körper gestreut. "Dabei dringt die ureigene Kraft der Latschenkiefer sowohl über die Haut, als auch über die Atemwege in den Körper ein und entgiftet den gesamten Organismus." Das 20-minütige Ritual fordert ihn aber auch. "Wie bei einem doppelten Saunagang."
Kraft und Inhalt finden sich auch in Taubers Garten der vier Urelemente. Erde, Wasser, Luft und Feuer sind zu einem System zusammengefügt. "Das Ganze wirkt wie ein kontinuierlicher Strom. Wer sich mit allen Sinnen darauf einlässt, wird je nach Stimmung begeistert, entspannt oder belebt", so der Niederländer Geomant Peter Meijerink, der den Garten angelegt hat. So wird ein Spaziergang zu den besonders gestalteten Plätzen zu einem "Zu-sich-selbst-Finden", zu einem sinnlichen Erlebnis.
Für Schnäppchenjäger ist das alles nichts. "Wir sind keine Billig-Destination", betont Anna Mayrhofer vom Tourismusverband Kronplatz. Gerd Tauber sagt es anders: "Wir sind nicht unbedingt preiswert, aber auf jeden Fall den Preis wert."
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