Geschnappt
Alles will gelernt sein
Um geschnappt zu werden, braucht einer fürwahr nicht gleich ein Dieb zu sein. "Den werde ich mir einmal schnappen!" heißt es ja oft aus harmlosem Anlass. Richtiges Schnappen will freilich gelernt sein. Bei mancherlei Gelegenheiten beispielsweise heißt es zuschnappen. Inzwischen hat ihnen ein anderer, der zunächst so tat, als wolle er nur zuschauen, das Ersehnte weggeschnappt.Und was kann einem nicht so alles weggeschnappt werden?! Da sei gleich einiges herausgeschnappt: Die dicksten Brocken, die Sympathie, der angestrebte Posten, die Gewinnchance, die Freundin. Man muss da schon aufpassen. Denn selbst wer sich für einen Meister im Wegschnappen hält, hat mit Konkurrenten zu rechnen. Als relativ harmlos sind noch jene mit dem Fotoapparat einzustufen, die überaus gern "Schnapp"schüsse liefern. Oder die Wissbegierigen, die nur etwas aufschnappen möchten (auf diesem Gebiet soll es ja bemerkenswerte Rekordleistungen geben). Die Gefährlichen, die aufs Wegschnappen aus sind, lassen sich meist nicht schnappen. Wenn einem einer von denen wieder einmal einen ganz tollen Streich gespielt hat, ist man sowohl für eine gute Weile eingeschnappt (wie es bei Schnappschlössern an Türen, Koffern, Rollschränken und Aktentaschen gang und gäbe ist) als auch machtlos. Da erweist sich als nützlich, einmal frische Luft schnappen.
So wird auf der Welt emsig durcheinandergeschnappt. Allen jenen aber, die dabei keinerlei Grenzen anerkennen, seien Ausgleichstherapien empfohlen. Sonst sind sie eines Tages übergeschnappt. (zwl)
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