16.07.2008  | Netzcode: 1463117

Ein königliches Vergnügen

Von Schloss zu Schloss entlang der Loire

Wer träumt nicht von einem Leben im Schloss? An der Loire in Frankreich kann dieser Traum zumindest für ein paar Urlaubstage wahr werden: Morgens können Touristen die stattlichen Renaissance-Paläste besichtigen, nachmittags durch deren Parks streifen, abends "Schloss-Spektakeln" beiwohnen und sich nachts in einem Schlösschen königlich betten. Viele Schlösser erleben bei Tag und bei Nacht - kaum irgendwo sonst geht das so gut wie an der Loire.

Urlaub machen wie ein König
Seit Jahrhunderten im Familienbesitz: Im Schloss Cheverny können Urlauber eine alte Möbelsammlung besichtigen. Bild: dpa
Wenn es Nacht wird in Blois, versammeln sich viele Menschen im Schlosshof im Zentrum der alten Königsstadt. Wenn es dann richtig dunkel ist, tauchen die vier Fassaden in ein Meer aus Farben und die Zuschauer tief in die Geschichte Frankreichs ein: Die so genannte "Son-Lumière-Aufführung", eine Schau aus Lichtprojektionen, Musik und Erzählung lässt Dramen, Kriege und Geheimnisse des Hofes aufleben. Gleich beim Eingang über dem Portal begrüßt König Ludwig XII. die Besucher als lebensgroßes Reiterstandbild.

"Blois war einst königliche Hauptresidenz", erzählt Catherine Garrigon und zeigt auf die gemeißelten Lilien auf den Säulen, das Emblem der französischen Könige. Dann schreitet die Schlossführerin den achteckigen Treppenturm hinauf, der sich spiralförmig nach oben windet. Legenden ranken sich um den Ort: Dienten die Geheimfächer im holzgetäfelten Renaissance-Kabinett tatsächlich als Giftschrank für Katharina von Medici, die 1589 in Blois starb? Geschah das heimtückische Blutbad am Herzog von Guise während der Religionskriege wirklich im königlichen Schlafgemach? Führerin Catherine Garrigon schüttelt da nur den Kopf.

Hofstaat und Adel ließen sich im Tal der Loire einst auch wegen seiner Naturschönheit nieder. Die Flusslandschaft hat sich viel an Ursprünglichkeit erhalten. Ähnlich wie ein Schlossbesuch wirkt ein Spaziergang durch die breiten, grünen und wild bewachsenen Uferauen wie ein Flanieren durch vergangene Zeiten. Vögel bevölkern die Sandbänke mitten im Wasser. Frankreichs längster Fluss wurde nie begradigt oder kanalisiert, Natur und Kunst vereinen sich hier.

Neben den großen Schlössern gibt es in der Region viele kleinere Herrenhäuser, etwa das Château de la Rue in der Gemeinde Suèvres nahe Blois. "Das Gebäude wurde im 18. Jahrhundert von meinen Vorfahren gebaut", erzählt Véronique Bazin de Caix, bei der Touristen auch übernachten können. Die Gastgeberin gibt gerne Tipps für Ausflüge:
"Liebhabern origineller Gärten empfehle ich das Château de Chaumont-sur-Loire." Und so spazieren im Sommer mehr Menschen durch die Gärten von Chaumont, als dass sie über die Zugbrücke die Anlage aus dem 15. Jahrhundert betreten. Beides zusammen bildet einen starken Gegensatz: Hier steht die spartanisch eingerichtete, teils dunkle Burg - dort sind die üppigen, kreativen, fantasievollen Gärten unter freiem Himmel zu bewundern, die sich wie ein Spiegel der Moderne geben.

"Das Festival des Jardins, unser Internationales Gartenfestival, wurde 1992 gegründet", erläutert Julie Cabedoce, die Führungen auf Deutsch durch das Gartenreich anbietet. "Künstler aus der ganzen Welt gestalten moderne Gärten jedes Jahr aufs Neue und immer unter einem anderen Motto." Das Thema für 2008 lautet: "Gärten der Teilung".
Damit ist das Teilen zwischen Mensch und Natur gemeint, aber auch das Teilen von Erfahrungen im Garten, von Schönheit, Farbe, Licht und Schatten sowie perfekten Momenten.

Im Gegensatz zu diesen Gärten der Gegenwart lassen sich im Park von Château Chenonceaux zwei typische Renaissance-Gärten besichtigen: Einer wurde von der Königin Katharina von Medici angelegt, der andere von ihrer Rivalin, der königlichen Mätresse Diane de Potiers, die von vielen Dichtern ihrer Schönheit wegen besungen wurde. Diese Lustgärten des Adels mit ihren von Rosen gesäumten Beeten und den
geschwungenen Rasenmustern wirken wie irdische Paradiese, wären da nicht die Besuchermassen in den Sommermonaten. Auch im Heckenlabyrinth, das nach einem historischen Vorbild angepflanzt ist, drängen sich Erwachsene und Kinder - und amüsieren sich königlich.

Das Schloss Chenonceaux selbst gilt als eines der herrlichsten Bauwerke in der Loire-Region. Es wirkt ganz so, als würde es über dem Wasser schweben, denn seine Galerie wurde auf Pfeilern über den Fluss Cher gebaut, einem Seitenarm der Loire. So erkunden Touristen den Prachtbau auch vom Boot aus und rudern unter dem Schloss hindurch. Chenonceaux prunkt auf drei Etagen mit Kaminen, Himmelbetten und
Gemälden, darunter ein Porträt der Diana von Poitiers als Jagdgöttin Diana mit nacktem Oberkörper. Im Unterbau befindet sich eine große Renaissance-Küche. Sie ist voll eingerichtet, so als würde gleich ein Regisseur rufen: "Film ab!". Das "Schloss der Damen", wie Chenonceaux genannt wird, strahlt Heiterkeit und Lebenslust aus. Bei einem nächtlichen Spaziergang mit historischer Musik fällt es leicht, sich die rauschenden Feste der Vergangenheit vorzustellen.

In Frankreich kann ein Château auch "nur" ein Herrenhaus sein, eine Villa oder ein Gut. "Unser Château de la Herserie stammt von 1852", erklärt Hausherr Laurent Dujardin und unterbricht kurz das Rasenmähen. Das Haus steht in der Nähe von La Croix-en-Touraine und besitzt einen 13 Hektar großen Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens des 19. Jahrhunderts. Auch hier können Touristen übernachten. Im Garten wird dann vor dem Diner und unter einer Schutz einer mächtigen Atlas-Zeder ein abendlicher Aperitif eingenommen.


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