Schwierige Spurensuche nach großem Heiligen
Nur wenige Monumente Roms bezeugen den Völkerapostel Paulus
Der Apostel Paulus ist kein Volksheiliger. Er hat nicht die Popularität eines Franz von Assisi, eines Antonius von Padua oder eines Pater Pio. Auch in seiner Stadt Rom steht Paulus immer im Schatten des Co-Patrons Petrus. Das soll sich mit dem Paulus-Jahr ändern. Das Jubiläum zum 2.000. Geburtstag soll die zentrale Rolle des Völkerapostels für die Kirche neu ausloten. Pilgerfahrten und Spurensuchen in Rom sollen die Verehrung des Apostels volksnäher gestalten.
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| Der heilige Paulus - seine Spuren sind in Rom nicht leicht zu finden. |
Offen ist auch, ob Paulus in Rom mit Petrus zusammentraf und ob er noch seine geplante Reise nach Spanien unternahm und wieder zurückkehrte. Der älteste schriftliche Beleg für das Martyrium des Paulus wie des Petrus findet sich im Ersten Clemensbrief, der um das
Jahr 90 verfasst wurde. Und aus dem Brief des Ignatius von Antiochien an die Römer (um 110) folgert Heid, dass die römischen Apostelgräber bereits damals im fernen Syrien bekannt waren und "von aller Welt" aufgesucht wurden.
Das Paulus-Grab wird unter dem Hauptaltar der römischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern verehrt. Alte Berichte sprechen von "Siegesmalen" über dem Paulus- wie über dem Petrusgrab. Aber während man ein solches Tropaion unter der Vatikan-Basilika nachweisen konnte, dürfte es in der Pauls-Basilika im massiven Fundament der späteren Kirchen verschwunden sein. Dafür aber gibt es, wie die jüngsten Sondierungen unter dem Paulus-Altar bestätigten, einen Sarkophag mit einer Platte und der Inschrift "Paulo Apostolo Mart". Dieses Grab befand sich zunächst in einem römischen Friedhof aus dem ersten Jahrhundert. In der Platte selbst finden sich Öffnungen für Berührungs-Reliquien.
Warum Paulus an der Straße nach Ostia beigesetzt wurde und Petrus am vatikanischen Hügel, lasse sich nicht mehr genau aufklären, sagt Heid. Aber schon Kaiser Konstantin errichtete über diesem Grab eine erste Paulus-Kirche. Und Ende des vierten Jahrhunderts entstand dort die viel größere Drei-Kaiser-Basilika, die dem alten Petersdom nicht nachstand und bis zum verheerenden Brand von 1822 erhalten blieb.
Das Paulus-Grab in Sankt Paul vor den Mauern ist das bedeutendste Zeugnis des Völkerapostels in Rom. Ein weiterer gesicherter Beleg findet sich wenige Kilometer weiter in der Sebastianus-Katakombe an der Via Appia. Dort bezeugen Malereien eine Verehrung von Petrus und Paulus für die Mitte des dritten Jahrhunderts; denn dort sollen nämlich während der Verfolgung unter Kaiser Valerian (253-260) die sterblichen Überreste beider Apostel aufbewahrt worden sein. Weiter gehört zu den römischen Paulus-Stätten die Lateran-Basilika: Über dem Papstaltar wird die Kopfreliquie des enthaupteten Apostels aufbewahrt. Und der Petersdom im Vatikan erinnert natürlich an beide Apostelfürsten. Völlig unsicher scheinen dagegen die im modernen Paulus-Weg aufgelisteten angeblichen Wohnungen des Apostels in den Kirchen San Paolo alla Regola sowie in Santa Maria in Via Lata. Ähnliches gilt für die Kirche der heiligen Prisca auf dem Aventin-Hügel, wo nach alter Legende die Paulus-Schülerin gelebt haben soll.
Zu den bekanntesten und beliebtesten Orten der Paulus-Verehrung - wenn auch ohne historischen Beleg - gehört die Abtei Tre Fontane (Drei Brunnen), die traditionelle Todesstätte des Apostels. Bei der Hinrichtung soll der abgetrennte Kopf des Paulus dreimal aufgesprungen sein. Wo er den Boden berührte, seien drei Quellen entsprungen. Im zum Paulus-Weg gehörenden Mamertinischen Kerker, dem antiken Staatsgefängnis am Kapitol, hat allenfalls Petrus die letzten Tage vor seiner Hinrichtung verbracht. Paulus lebte während seiner römischen Zeit unter Hausarrest.

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