Ferien bei den Hohenzollern
Auf den Spuren der Prinzen in Plön
Wer nicht gerne friert, scheint in Plön richtig zu sein: Plune hieß die kleine Stadt im hohen Norden vor 1000 Jahren, "die Eisfreie". Und ein Luftkurort ist sie auch noch. Das milde Klima des Ortes im Naturpark Holsteinische Schweiz wusste auch das Haus Hohenzollern zu schätzen: Kaiserin Auguste Victoria, Gemahlin von Kaiser Wilhelm II., ließ ihre Kinder hier aufziehen. Viele Gebäude in dem idyllischen Ort zeugen noch immer vom Aufenthalt der Prinzen in Plön in der Zeit um 1900. Sie alle aber werden überstrahlt von demweithin über dem Großen Plöner See thronenden weißen Schloss.
|
| Viele Wege für längere Touren: Rund um Plön haben Radler ein Streckennetz von 650 Kilometern zur Auswahl. Bild: dpa |
Die drei Kilometer lange Prinzeninsel hatte damals wie heute schöne, flach abfallende Sandstrände. Aber das Wasser im Großen Plöner See ist wegen seiner Tiefe recht frisch, und der jüngste Sohn der Kaiserin war angeblich von zarter Gesundheit. Daher gab Auguste Victoria einen damals hochmodernen Bau in Auftrag: ein Hallenbad, das das Baden für ihre Sprösslinge auch bei unwirtlichem Wetter möglich machen sollte. Heute ist die "Alte Schwimmhalle am Schloss" ein Kulturforum mit schöner Innen- und Außenrestauration.
Die Hohenzollern bauten auch eine Reitbahn, einen Marstall und verschiedene Wohngebäude für ihre Bediensteten. Das meiste gehört heute Stiftungen und Privatpersonen, die Prinzeninsel aber ist noch immer im Besitz des Hauses Hohenzollern. Sie darf dennoch betreten werden - was gut ist, denn dort gibt es neben schönen Wanderwegen entlang von Wasser und Wiesen mit freundlichen Dickbauchschweinen und desinteressierten Schafen das "Niedersächsische Bauernhaus", wo im gemütlichen Kaffeegarten große, leckere Stücke Apfelkuchen serviert werden. Auch eine Heidschnuckenzucht gibt es hier. An der Südspitze steht ein reetgedeckter Pavillon, einst der Lieblingsplatz der Kaiserin.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Schloss eine staatliche humanistisch ausgerichtete Bildungsstätte. Der Komponist Paul Hindemith hat hier ein Jahr lang unterrichtet. 1933 zog eine Nationalsozialistische Erziehungsanstalt (Napola) ein, 1946 das Internat des Plöner Gymnasiums. Die Jungen durften im Schloss übernachten, die Mädchen wohnten im Prinzenhaus.
Das Geld für die Instandhaltung des großen, prächtigen Baus aber wurde knapp. Im Jahr 2002 wurde das Wahrzeichen von Plön daher von Günther Fielmann gekauft, das ist der mit den Brillen. Fielmann investierte knapp 30 Millionen Euro. Nach jahrelangen Renovierungen erstrahlt das Schloss nun weithin sichtbar in altem Glanz. Besichtigen kann man es nur nach Absprache - Fielmann gründete eine Akademie und bildet seit 2007 hier jedes Jahr rund 6000 Optiker aus aller Welt aus. Entlang der Zäune des schmucken Ensembles patrouillieren Wachleute, und so manchen Plöner ärgert das.
Die alte Schlossgärtnerei jedoch darf noch besucht werden, obwohl auch sie vor rund zehn Jahren verkauft wurde. Die neue Besitzerin, die Mikrobiologin Dorit Dahmke, hat darin ein kleines, einfaches Café samt Lädchen eingerichtet. Auf dem rund 9000 Quadratkilometer großen, noch arg verwildertem Gelände entstehen Picknickecken und
Spielplätze. Herrschaftlichen Englischen Rasen sollte man nicht erwarten, aber wer es "wildromantisch" mag, ist dort richtig.
Nach so viel Historie zieht es den Besucher in die alten, mit Kopfstein gepflasterten Gassen von Plön. Viele schmale Stichwege des Ortes, Twieten genannt, führen an den See, was die Stadtführerin Gina Böhrens mit den Feuersbrünsten im Mittelalter erklärt: "Damals gab es viele Reetdächer, und man brauchte guten Zugang zum Wasser." Die
zentrale Straße für Plön und die rund 13 000 Einwohner ist die Lange Straße. Hier sind die meisten Geschäfte und Cafés zu finden, und nach einem Einkaufsbummel trinkt man einen Kaffee im "Vis á Vis", isst ein Eis bei "Cini" oder trinkt einen kühlen Weißwein bei "Wein & Co".
Rund 250 000 Besucher hat die kleine Stadt jedes Jahr zu Besuch. Etwa 70 000 davon übernachteten dort 2007, im Schnitt knapp drei Tage lang. "Diese Zahl ist leicht ansteigend, es kommen auch immer häufiger Tagesausflügler, die Urlaub an der Nord- oder Ostsee machen", sagt Caroline Backmann von der Tourist-Info der Stadt. Sie
sieht als Zielgruppe Familien und die "Best Ager", also alle über 50 Jahren. "Hierher kommt niemand, der Jubel und Trubel sucht."
Prima, wer braucht schon Hektik im Urlaub? Da lässt man doch lieber ein wenig die Füße im vielen Nass baumeln. Oder fährt Schiffchen. Denn die entspannendste Art, die Gegend kennenzulernen, ist eine Seenfahrt. Davon gibt es gleich mehrere: Etwa die
Fünf-Seen-Fahrt, die für 9 Euro über den Edebergsee, den Höftsee, den Behlersee, den Langensee und den Dieksee führt. Oder die Große Plöner Seerundfahrt. Oder die Bosau-Fahrt, die vom Anleger Plön-Fegetasche startet und in Bosau endet, dem Ort mit dem kleinsten Bischofsdom der Welt, der 1152 erbauten St. Petri-Kirche.
Immerhin zwei Drittel der Stadtfläche von Plön bestehen aus Wasser, 16 kleinere und größere Seen umgeben den Ort - rund 200 sind es insgesamt in der Holsteinischen Schweiz. Daher können Besucher scheinbar endlos an den grünen Ufern entlang wandern oder auch gemütlich radfahren - letzteres auf 650 Kilometer Wegen. Und natürlich lässt es sich auch gut baden in dem rund 34 Quadratkilometer großen und bis zu 60 Meter tiefen See. Die wahrscheinlich bekannteste Badestelle ist die "Fegetasche". Die frühere Zollstation zwischen zwei Kreisen - wo einem die Taschen "leergefegt" wurden - hat einen großen Strand.
Im vergangenen Jahrzehnt hat sich aber vor allem das Treiben auf dem Wasser verstärkt. Dieses Jahr wird beispielsweise am 10. August in Plön sogar der "Eurocup" der Olympiajollen 2008 veranstaltet. Auch Windsurfen, Katamaranfahren und vor allem Rudern und Paddeln lässt sich hier gut. Erst vor wenigen Monaten wurde eine neue, großzügige Anlegefläche für Paddler quasi mitten in der Stadt gebaut - für das leichtere Anlegen zum Kaffeepäuschen. Ambitionierte paddeln das Flüsschen Schwentine entlang, die am Bungsberg bei Schönwalde entspringt und in der Kieler Förde mündet. Das ist ein 50 Kilometer langer "Wasserwanderweg" von Eutin bis Kiel.
Irgendwann knurrt allen der Magen, ob Wanderer oder Wassersportler. Dann lockt das Restaurant "Altes Fährhaus" mit Bratfisch und Bratkartoffeln oder die "Fischerei Reese", die ihre hölzernen Biertische direkt am Wasser aufgebaut hat. Wer möchte, kann sich seinen Fisch auch an sechs Seen der Gegend selbst aus dem Wasser ziehen. Es gibt Schleien und Weißfische, aber auch Aale, Barsche oder - in den vielen Untiefen - kapitale Hechte. Was man nur auf der Landkarte erkennen kann, ist die Form des Großen Plöner Sees. Sie erinnert an Afrika. Na, so warm ist es in Plön aber dann doch nicht.
Informationen: Tourist-Information Plön, Bahnhofstraße 5, 24306 Plön (Tel.: 04522/509 50, E-Mail: touristinfo@ploen.de, Internet: www.touristinfo-ploen.de).

versenden
drucken
Leserbrief

























