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Von Heiko Haupt, dpa  |  05.05.2008  | Netzcode: 1366960
Rüsselsheim

Der Senator kam im Oberhaus nie richtig an

Opels letzte große Luxuslimousine wird 30 Jahre alt - Rekord-Commodore-Senator im Grunde ein Auto

Rüsselsheim. Ein wenig seltsam wirkt es schon, was sich Ende der 70er Jahre bei Opel am oberen Ende der Modellpalette abspielte. Im Grunde ging es darum, einen Nachfolger für bisherige Topmodelle wie Kapitän, Admiral und Diplomat zu finden.

Undurchsichtige Modellplanung - der Opel Senator
Undurchsichtige Modellplanung - der Opel Senator sollte den Commodore ablösen, wurde dann aber gegen Oberklasse-Modelle von BMW und Mercedes ins Rennen geschickt, nicht überraschenderweise ohne großen Erfolg. Bilder: Opel
Allerdings traute sich Opel nicht richtig, gegen Mercedes oder BMW anzutreten. Also ging man den halbherzigen Weg und versuchte, eine noble Limousine zu bauen, die aber mit den Genen des volkstümlichen Rekord auskommen musste und eine Portion Theaterschminke mit auf den Weg bekam.

Diesem Auto wiederum grub Opel auch noch das Wasser ab, indem man Teile des so entstandenen Topmodells erneut mit dem Rekord mischte und ein weiteres Modell zwischen beiden platzierte. Dass diese eigenartige Modellpolitik nicht von Erfolg gekrönt war, sollte sich bald zeigen - die Limousine Senator und das davon abgeleitete Coupé Monza gelten als Opels letzte Ausflüge ins automobile Oberhaus. Das macht sie heute zu echten Liebhaberobjekten.

Das Armaturenbrett des Opel Senator kannten
Das Armaturenbrett des Opel Senator kannten Opel-Fahrer bereits aus dem Rekord.
Der Senator sollte eigentlich nur den Commodore ablösen. Unter dieser Bezeichnung wurden traditionell Autos verkauft, die auf dem Rekord aus der Mittelklasse basierten, ihren eigenen Namen aber mit verbesserter Ausstattung und stärkeren Motoren rechtfertigen sollten.

Der Senator passte in diese Tradition - nur war sein Problem, dass er 1978 eine Rolle zu spielen hatte, die eigentlich eine Nummer zu groß war. Denn im Grunde war auch der Senator ein Opel Rekord. Den hatte man für seinen Einsatz als Nobel-Karosse allerdings um gut 20 Zentimeter verlängert, die Front und das Heck retuschiert und ihn im Innenraum mit hochwertigeren Sitzbezügen sowie ein paar Holzleisten aufgepeppt - ohne sich allerdings darum zu scheren, dass Teile wie das Armaturenbrett des Senators einem Rekord-Fahrer bekannt vorkommen mussten. Immerhin arbeiteten unter der Motorhaube Sechszylinder-Motoren, und am Fahrwerk hatte sich auch einiges getan.

Der Zwitter Commodore



Monza - des Senators schöner Bruder 


Von 1978
Von 1978 bis 1987 gab es bei Opel neben dem Senator auch den technisch baugleichen Monza im Modellprogramm. Bei diesem handelte es sich allerdings nicht um eine Limousine, sondern um ein zweitüriges Coupé mit großer Heckklappe, von dem etwas mehr als 40 000 Exemplare gebaut wurden. Innenausstattung und Motorisierung orientierten sich am Angebot für den Viertürer. Eine Ausnahme machte der heute schon legendäre Monza GSE. Bei diesem sportlichen Modell arbeitete unter der Motorhaube ausschließlich ein 3,0-Liter-Motor mit 180 PS. Der GSE besaß ein sportlicheres Fahrwerk, innen gab es Sportsitze. Heute sind gut erhaltene Monza gesuchte Liebhaberobjekte. Bild: Werksfoto
Nach der Premiere der Limousine auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main im Jahr 1977 dauerte es noch eine Weile, bis die Autos tatsächlich zu den Händlern kamen. Erst im Frühjahr 1978 war es soweit. Und dass der Senator in der Publikumsgunst durchfiel, hatte mehrere Gründe. So ließ Opel es sich nicht nehmen, die Konkurrenz im eigenen Haus zu verstärken.

Weil der Senator eigentlich als Commodore-Nachfolger konzipiert war, nun aber seine Rolle als Konkurrent von Mercedes und BMW auszufüllen hatte, stand Opel ohne luxuriösere Rekord-Version mit der Bezeichnung Commodore da. Aber man hatte ja einen Rekord und einen Senator - warum also nicht beide kombinieren? Ergebnis dieser Überlegungen war ein etwas merkwürdiges Auto, das aus den meisten Blickwinkeln zweifelsohne ein Rekord war, dessen Front jedoch der Vorderwagen des verlängerten Senator bildete. Sein Name: Commodore.

Die Überlegungen mancher Kunden dürften leichter nachzuvollziehen sein als die der Marketingstrategen: Der Senator war ein ordentliches Auto aber ohne wirkliches Oberklasse-Image. Sein "Gesicht" zeichnete ihn jedoch als größten Opel seiner Zeit aus. Also konnte man ja auch den neuen Commodore für weniger Geld nehmen und sich sozusagen die Frontpartie des Senator frei Haus liefern lassen. Neben solchen hausgemachten Verkaufshemmnissen kam im Jahr 1979 noch die zweite Ölkrise hinzu, die den meisten Anbietern von leistungs- und hubraumstarken Fahrzeuge die Verkaufszahlen verhagelte.

Die letzten Nobel-Opel 


In den 50er und 60er
In den 50er und 60er Jahren spielte Opel in der Oberklasse eine wichtige Rolle. Diesen Erfolgen setzte die Ölkrise in Verbindung mit den amerikanisch wirkenden Karosserien und den trinkfreudigen Motoren der letzten Nobel-Opel aus der Reihe Kapitän, Diplomat und Admiral (von oben) arg zu. Ihre Produktion endete 1977. Bilder: Opel
Doch Opel gab nicht auf: 1982 wurde der Senator zumindest optisch komplett überarbeitet. Während auf der technischen Seite vieles beim Alten blieb, zeigte er sich nun mit einem eleganteren und zeitgemäßeren Design. Vor allem die Frontpartie fiel flacher und aerodynamischer aus. Was jedoch immer noch nichts am Grundproblem änderte, dass es sich um einen stark aufgewerteten Rekord handelte.

"Rekord" beim Preis



Und während es diesen Rekord Anfang der 80er Jahre als Grundmodell bereits für etwa 17 000 Mark gab, verlangte Opel laut der Preisliste aus dem Januar 1983 für das Senator-Einstiegsmodell mit 136 PS starkem Sechszylinder-Motor immerhin 29 180 Mark. Der luxuriös ausgestattete Senator CD mit Automatikgetriebe und 180 PS starkem 3,0-Liter-Motor sollte sogar 46 225 Mark Kosten. Immerhin wies die Liste gerade für dieses Modell kaum mehr aufpreispflichtige Extras aus - lediglich die Lederausstattung für 2287 Mark oder ein hochwertigeres Radio konnten zusätzlich geordert werden.

Die ohnehin nicht überwältigenden Verkaufszahlen sanken trotz der Auffrischung weiter. Als die letzten Modelle 1987 vom Band rollten, zählte man rund 80 000 Exemplare des ursprünglichen Senator und dazu noch 60 000 Stück, die nach der Modellpflege entstanden waren. 1987 stellte Opel ein Modell vor, das gemeinsam mit dem Nachfolger des Klassikers Rekord entwickelt worden war.

Der Rekord-Nachfolger hieß Omega, die neue Luxuslimousine wieder einmal Senator - und auch am Grundprinzip und der Resonanz hatte sich wenig verändert.Der neue Senator wurde wegen der Ähnlichkeit zum Omega kritisiert, die Kunden zeigten sich - gelinde gesagt - zurückhaltend. Und so endete nach noch einmal fünf Jahren und 70 000 Exemplaren die verhaltene Karriere der Modellreihe. Bis heute verzichtet Opel auf eine echte Alternative zu Mercedes und BMW .


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