29.04.2008  | Netzcode: 1362448

Nordic Walking mit System

Schleswig-Holsteins "Ostsee Laufküste"

Caroline Zimmermanns Anweisung klingt ganz einfach. "Bloß nicht nachdenken, die Beine einfach laufen lassen und die Arme locker mitschwingen lassen!" ruft sie. Doch das ist leichter gesagt als getan. Da sind ja noch die Stöcke, die irgendwie immer im Weg sind. Außerdem sollen die Arme lang bleiben und sich die Hände abwechselnd öffnen und schließen.

Nordic Walking
Ideale Trainingsregion: Zwischen Lübeck-Travemünde und der Flensburger Förde haben Anfänger und Fortgeschrittene reichlich Gelegenheit, sich im Nordic Walking zu üben.
Die Trendsportart Nordic Walking ist gar nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick aussieht. An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins haben Anfänger und Fortgeschrittene aber reichlich Gelegenheit, Nordic Walking zu üben. Zwischen Lübeck-Travemünde und der Flensburger Förde bietet die "Ostsee Laufküste" 800 Kilometer ausgeschilderte Strecken, davon 150 Kilometer direkt am Strand.

Doch das Gehen mit den Stöcken im weichen Sand ist kein Spaziergang: Mit Anfängern trainiert Caroline Zimmermann, Fitnesstrainerin in einem Luxushotel in Travemünde, deshalb lieber auf der Promenade oder in der gepflasterten Kehle zwischen Promenade
und Strand. "Nordic Walken kann man nicht aus Büchern lernen. Bei einem Kurs kann man sich die richtige Bewegung vom Trainer abgucken und Fehler werden gleich korrigiert", sagt sie und demonstriert, wie es aussehen soll: große Schritte, weit ausgreifende Bewegungen der gestreckten Arme. "Und immer schön nach vorne schauen, nicht auf den Boden", ruft sie.

Denn wer auf den Boden sieht, verpasst das Beste: die fantastische Aussicht über den am Morgen noch menschenleeren Strand und die Möwen, die über dem spiegelglatten Meer schweben, über leuchtend gelbe Rapsfelder und sattgrüne, mit Wiesenblumen gesprenkelte Wiesen. Die abwechslungsreichen Routen machen den Reiz der Laufküste an der Ostsee aus. Ebenso breit gefächert wie das Routennetz ist das Angebot inSachen Unterkunft. Es reicht von der gemütlichen Familienpension über das Drei-Sterne-Haus bis zum Luxushotel mit Wellness-Anwendungen. Denn am Anfang bekommt man vom Nordic Walking garantiert Muskelkater, und zwar nicht nur in den Beinen, sondern in
den Schultern und im Rücken.

Nordic Walking, das bereits in den 1930er Jahren als Sommertraining für Skilangläufer erfunden wurde und in den 1990er Jahren von Finnland aus seinen Siegeszug in Deutschland antrat, ist mittlerweile ein Volkssport. Rund drei Millionen Deutsche üben diesen Sport bereits aus, und die Zahl wächst. Beim Nordic Walken, so sagen Sportmediziner, werden rund 90 Prozent der Muskeln trainiert. Die Physiotherapeutin Nicole Kropp aus Hohwacht weiß, wie man diesen Wert noch steigern kann. "Lächeln Sie die Entgegenkommenden an, dann werden auch die Gesichtsmuskeln trainiert", fordert sie ihre Kursteilnehmer auf. In Hohwacht westlich von Kiel führt die rund sieben Kilometer lange "Flunderroute" - benannt nach dem Wappentier des Badeortes - durch ein Wäldchen ganz gemütlich bis zur Steilküste. Fortgeschrittene wagen sich an die rund elf Kilometer lange Route vom benachbarten Lütjenburg zum Aussichtsturm Hessenstein. Von dort aus reicht der Blick über die ostholsteinische Hügellandschaft bis hin zur
Ostsee - besonders zur Zeit der Rapsblüte im Frühjahr ein Farbenspiel in Gelb, Grün und Blau.

Seit Herbst 2006 gibt es bereits die "Ostsee Laufküste", die vom Tourismusverband Ostsee-Holstein Tourismus mit Sitz in Timmendorfer Strand betreut wird. Das Baukastenprinzip der Urlaubsangebote sorgt dafür, dass sich jeder Gast seinen Aufenthalt nach seinen persönlichen Vorlieben und Preisvorstellungen zusammenstellen kann. Der Nachteil: Wer nicht sehr erfahren im Umgang mit Internetbuchungsplattformen ist, für den wird der Weg zum Nordic-Walking-Urlaub an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste leicht zu einem Orientierungslauf.

Insgesamt 104 Laufrouten sind auf der Internetseite www.laufkueste.de beschrieben, sortiert nach Länge, Schwierigkeitsgrad, Bodenbeschaffenheit oder gewünschtem
Kalorienverbrauch. Dazu gibt es auf der Seite Hinweise zu Nordic-Walking-Kursen und Lauftreffs, Trainingstipps von Experten und Pauschalangebote, die vom Wochenendaufenthalt mit zwei Übernachtungen bis zur Laufwoche mit sieben Übernachtungen und sportmedizinischer Betreuung reichen.

Wer sich in Travemünde die Grundlagen des Nordic Walking erarbeitet hat, sollte einen Abstecher ins rund 20 Kilometer entfernte Lübeck machen. Dort findet zwischen Mai und Oktober jeden Sonntag um 11 Uhr eine Nordic-Walking-Stadtführung statt (Dauer:
zwei Sunden, Kosten: 9 Euro pro Person inklusive Leihstöcken, Treffpunkt ist das Welcomecenter am Holstentor).

Internet: www.laufkueste.de, www.luebeck-tourismus.de

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