Das größte Schlauchboot der Nation
Zu Besuch in der Münchner Allianz-Arena
Es sind nur ein paar Stufen, die auf grauem Teppich nach unten führen in die Dunkelheit. Von den kahlen Wänden hallt das monumentale "O fortuna" aus Carl Orffs "Carmina burana" wider. Im Spielertunnel der Münchner Allianz-Arena bekommen heute nicht Luca Toni, Franck Ribéry und Co. eine Gänsehaut, sondern eine bunt gemischte Gruppe von Besuchern, die sich durch das modernste Stadion Europas führen lassen.
|
| Ein Fußballtempel mit bayerischen Rauten: Die Allianz-Arena ist auch abseits von Spielen einen Besuch wert. Scharenweise werden die Fans bei Führungen durch das Stadion gelotst. Bilder: Thomas Schaller |
Wer die Fan-Tour, eine von mehreren Besucher-Führungen, bucht, der bekommt einen authentischen Einblick in das Innenleben der Allianz-Arena im nördlichen Stadtteil Fröttmaning. Die einzige Voraussetzung: Gut zu Fuß sollte man sein, denn ohne Treppensteigen lässt sich das monströse Bauwerk nicht erklimmen. Weithin bekannt ist die nächtliche Außenansicht des "größten Schlauchboots der Nation" vor den Toren Münchens. Rot leuchtet die Arena, wenn die Bayern spielen, hellblau, wenn die Sechziger Heimrecht haben.
Wie das funktioniert, erklärt Stadion-Guide Siebert anhand eines der insgesamt 2760 luftkissenartigen Verkleidungselemente. Die Struktur der strapazierfähigen Kunststofffolie ist durch unzählige kleine Punkte gekennzeichnet, die Licht reflektieren. Dieses Licht kommt von Leuchtstoffröhren. Je nach Heimmannschaft wird die rote oder die blaue Röhre eingeschaltet. Auch ein neutrales Weiß steht zur Verfügung - etwa für Spiele der Nationalmannschaft.
Rot und Blau - diese Farben ziehen sich auch sonst durch den Betrieb der Arena: Jeder der beiden Profi-Klubs der Stadt hat seine eigene Kabine, seine eigenen Sponsoren-Wände, seinen eigenen Physio-Bereich. Für jeden Bayern-Kicker gibt es ein eigenes Garderoben-Element, natürlich in Rot. Darüber hängt, rot gerahmt, ein Foto des Stars. All dies dürfen die Teilnehmer der Stadion-Führung sehen. Und darüber hinaus noch viel mehr. Auf dem Oberrang, unterm Stadiondach, ist schon manch einem mulmig geworden.
|
| Arena-Führerin Isabella Siebert weiß viel Interessantes aus dem Innenleben des modernsten europäischen Fußballstadions zu berichten. |
Und noch einen aussagekräftigen Vergleich hat sie parat: Die beiden großen Videoleinwände sind jeweils 100 Quadratmeter groß - "das ist eine Vier-Zimmer-Wohnung". Gute Karten also für alle, die eine Eintrittskarte für ein Match ergattern können. Zumindest für die Heimspiele des FC Bayern ist das alles andere als leicht, denn für die meisten von ihnen sind die fast 70 000 Tickets schon lange vorher ausverkauft.
Die rund 75-minütige Besichtigung führt auch in die Sponsoren-Lounge. Hier wird für jeden Spieltag das halbe Inventar ausgetauscht - je nachdem, welcher Münchner Verein an der Reihe ist: Sponsoren-Logos, Spieler-Bilder an den Säulen und Wänden und sogar die Trinkgläser, denn schließlich hat jeder der beiden Klubs seinen eigenen Brauerei-Werbepartner. Arena-Führerin Siebert präsentiert auch die Business-Logen, allerdings nur von außen. Die sind nämlich für die ganze Saison an Firmen vermietet - "zu einem Preis zwischen 90 000 und 240 000 Euro". Insgesamt 106 solcher Boxen gibt es in der Arena.
Licht und Luft für den Rasen
Am meisten interessiert die Besucher jedoch der grandiose Blick auf das Spielfeld. 68 mal 105 Meter ist es groß. Die 8000 Quadratmeter Rollrasen bestehen aus zirka 250 Einzelstücken von je 1,2 Tonnen Gewicht. Etwa jedes halbe Jahr müssen sie ausgetauscht werden, was laut Siebert rund 100 000 Euro kostet. Dauer: zweieinhalb Tage. Das Dach sei so konstruiert, dass der Rasen mit Licht und Luft versorgt wird. Die Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pièrre de Meuron haben also an alles gedacht - wie erwähnt auch an die Gänsehaut für Spieler und Fans.
Kommentare
Ihre Kommentare werden veröffentlicht in Kooperation mit der best webnews GmbH, Köln.
zum Thema













versenden
drucken
Leserbrief
kommentieren











