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Ein neuer VW Scirocco - darauf haben nicht nur Anhänger des Urmodells lange gewartet. Denn auf echte Sportlichkeit musste beim Kauf eines Volkswagens viele Jahre verzichtet werden. Zwar gibt es nach wie vor eine GTI-Version des Golf mit reichlich Pferdestärken - doch ein sportliches Auto mit ebenso sportlicher Coupé-Karosserie glänzt im Volkswagen-Programm seit der Einstellung des Corrado im Jahr 1995 mit Abwesenheit.
Dieser Mangel an Emotionalität stellt wiederum eine Parallele zu jener Zeit dar, in der Volkswagen einst den ersten Scirocco ins Rampenlicht stellte. 1974 war das - und die Marke VW hatte damals einiges von ihrer einstigen Strahlkraft eingebüßt. Viel zu lange hatten die Konzernherren an der vollkommen veralteten Heckmotortechnik mit Luftkühlung festgehalten, die neben dem Käfer auch alle anderen Modelle der Marke antrieb.
Die technische Grundzüge des Golf debütierten eigentlich mit dem Scirocco, der im März des Jahres 1974 auf dem Automobilsalon in Genf erstmals gezeigt wurde - an eben jenem Ort, an dem im Jahr 2008 auch der aktuelle Nachfolger erstmals zu sehen war.
Das Unternehmen Karmann in Osnabrück tat sich mit dem italienischen Designer Giorgio Giugiaro zusammen, der den Auftrag von VW hatte, die Formen des Golf auszuarbeiten.Giugiaro kam irgendwann auf die Idee, dass sich auf dem Grundgerüst des Golf doch auch ein schickes Sportcoupé entwickeln ließe. Doch VW weigerte sich, das Projekt zu finanzieren. Der vergleichsweise kleine Hersteller Karmann war gezwungen, die notwendigen Investitionen für den Bau des Autos selbst zu übernehmen. Nach intensiver Rechenarbeit einigte man sich dann auf ein Finanzmodell, bei dem die von Karmann ausgelegten Kosten auf jedes einzelne gebaute Auto umgelegt wurden, das dann schließlich als echter Volkswagen zu den Händlern rollte.
Gegen Manta und Capri
Bald schon sollte sich zeigen, dass der Mut sich gelohnt hatte. Das Design des Scirocco wirkte seinerzeit auch im Vergleich zu den direkten Konkurrenten Opel Manta und Ford Capri überaus modern. Mit seinen betont kantigen Formen und der keilförmigen Seitenlinie stand der sportliche Volkswagen auch als ein Symbol für eine neue Zeit da. Im Basismodell werkelte ein Vierzylinder mit 1,1 Liter Hubraum und gerade einmal 50 PS. Wer mehr Geld ausgeben wollte, konnte auch 1,5 Liter Hubraum mit 70 PS oder 85 PS ordern. Auf einen wirklich sportlichen Scirocco musste dagegen noch eine Weile gewartet werden. Erst von 1976 an gab es das Coupé auch mit dem heute legendären Kürzel GTI am Heck. Diese Bezeichnung wies darauf hin, dass unter der Motorhaube des Autos nun ein 1,6-Liter-Motor mit immerhin 110 PS arbeitete, der ursprünglich aus dem Audi 80 GTE stammte. Der als Urahn schneller Kompaktautos geltende Golf GTI wurde zwar ebenfalls 1976 vorgestellt - er stand aber erst 1977 in wirklich ausreichender Zahl für die Kundschaft zur Verfügung.
So zeitgemäß der Scirocco zunächst wirkte - auch er kam in die Jahre. Daher machte man sich 1978 daran, die Optik noch einmal aufzufrischen. Trugen frühe Scirocco noch metallisch glänzende Stoßstangen, so kam nun Kunststoff zum Einsatz. Weitere Erkennungsmerkmale sind die größeren und seitlich in den Kotflügel ragenden Blinker an der Front sowie schwarz gefärbte B-Säulen.
Halbe Million Scirocco I
Alles in allem wurde der Scirocco zu jenem überragenden Erfolg, von dem die Verantwortlichen anfangs bestenfalls zu träumen wagten: Rund 501 000 Fahrzeuge wurden bis zur Produktionseinstellung im Februar 1981 gebaut. Da ist es nur natürlich, dass man bei Volkswagen und Karmann genau diese Erfolgsgeschichte fortführen wollte. Bereits ab Mitte der 70er Jahre wurde daher an einem Nachfolger gearbeitet. Dessen Styling stammte jedoch nicht mehr aus der Hand von Giugiaro, sondern aus der internen Designabteilung des Hauses Volkswagen.
Wirklich geschadet hat das dem Scirocco der zweiten Generation nicht. Auch er wirkte sportlich und hatte seinen eigenen Stil. Trotzdem aber war er nicht mehr das Original - und zudem teurer. Wurde der neue Scirocco anfangs noch ganz ordentlich verkauft, konnte er auf Dauer nicht an alte Erfolge anknüpfen. Von 1981 bis 1993 wurden nur noch rund 291 000 Fahrzeuge gebaut.
Auch die Entscheidung, den nächsten Sportwagen des Hauses nicht mehr Scirocco, sondern Corrado zu nennen, brachte keinen Umschwung. Mit mehr Leistung und mehr Luxus bewegte sich das 1988 eingeführte Modell preislich auf einer anderen Ebene - und wurde 1995 nach 97 500 gebauten Exemplaren eingestellt.
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