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Mit Kindern über die Nazizeit sprechen - aufrichtig und an den Fragen der Kids orientiert
Irgendwann kommt die Frage: "Papa, wer ist Hitler?". Oder ein Kind beschimpft ein anderes als "Jude" - ohne zu wissen, was damit gemeint ist. Eltern irritieren solche Fälle, vor allem, wenn ihre Kinder klein sind.
Fragen Kinder nach den Nazis, Krieg und Judenverfolgung, sollten Eltern ehrlich antworten, ohne dabei Vollständigkeit anzustreben. "Orientieren Sie sich an den Fragen der Kinder", rät Erziehungswissenschaftlerin Prof. Ariane Garlichs.
Nicht "mauern"
Müssen tatsächlich schon Siebenjährige von Krieg und Verfolgung hören? "Es gab viele Jahre die Diskussion, ob man Schreckliches nicht von Kindern fernhalten muss", sagt Dirk Lange. "Aber Untersuchungen zeigten, dass schon kleine Kinder Vorstellungen von der NS-Zeit haben", erläutert der Professor für Didaktik der Politischen Bildung.
Die Informationsfetzen stammen aus den Medien, aus Gesprächen von Erwachsenen oder resultieren aus der Familiengeschichte, etwa wenn ein Angehöriger im Krieg gefallen ist.
Mit Kindern über die Nazizeit sprechen - aufrichtig und an den Fragen der Kids orientiert
Kommen Fragen oder spielen Kinder plötzlich Hitler, ist es Zeit, mit ihnen über die Nazizeit zu sprechen. Tun Eltern das nicht, kann das negative Folgen haben, warnt Lange:
"Mit dem Halbwissen der Kinder sind Vorstellungen und Ängste verbunden. Gibt es keine Auseinandersetzung damit, können sich die Kinder hineinsteigern."
Außerdem bestehe die Gefahr, dass sich das Halbwissen verfestigt. "Wenn das Thema dann in der Schule behandelt wird, haben die Kinder schon genaue Vorstellungen von der NS-Zeit."
Aus all dem folgt aber nicht, dass Eltern mit ihren Kindern von sich aus über Krieg und Nationalsozialismus sprechen müssen. Und schon gar nicht, dass sie ihr gesamtes Wissen darlegen sollten: "Es darf nicht das Aufklärungsinteresse der Eltern im Mittelpunkt stehen. Bleiben Sie bei den konkreten Fragen der Kinder", rät Prof. Garlichs.
"Was sind Nazis?"
Doch wie antworten Eltern auf die Frage "Was sind Nazis?" "Ich würde damit anfangen, dass Nazis für Ausgrenzung, Unterdrückung und Verfolgung standen", sagt Prof. Lange. "Dass andere oder sie selbst mal ausgegrenzt werden, ist eine Erfahrung, die Kinder selbst machen. So stellt man den Bezug zu ihrem Alltag her."
Mit Kindern über die Nazizeit sprechen - aufrichtig und an den Fragen der Kids orientiert
Im Grundschulalter hätten Kinder einen stark ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, fügt Monica Kingreen vom Fritz Bauer Institut in Frankfurt/Main, einem Studienzentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, hinzu. "Kinder finden es schnell 'gemein', wie die Nazis beispielsweise die jüdischen Deutschen behandelten."
Damit Geschichte für Kinder nachvollziehbar wird, rät Kingreen, von der Biografie eines Verfolgten auszugehen. "Allerdings würde ich nicht Anne Frank nehmen, die gewaltsam zu Tode kam, sondern ein Kind, das mit seiner Familie überlebte - wie Inge Auerbacher", sagt sie. Der Hinweis, dass viele andere umkamen, sollte dann aber nicht fehlen.
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