Von Armin Eger  |  24.10.2007  | Netzcode: 1146963

Mythos Watzmann

Tausende wollen jedes Jahr auf den Schicksalsberg

Als Valentin Stanic im August des Jahres 1800 in Berchtesgaden losmarschiert, hat er nur eins im Sinn. Der Slowene will als erster Mensch ganz hinauf auf den Gipfel. Nur spärlich ausgerüstet, im Vergleich zu heute, packt der 26-Jährige alle Strapazen und erreicht nach etlichen Stunden sein Ziel: den Hauptgipfel des Watzmanns, die Mittelspitze auf 2713Metern Höhe.

Watzmann
Unbeschreiblich ist die Aussicht auf dem höchsten Gipfel des Watzmanns, der Mittelspitze (2713 Meter). Bilder: Armin Eger (3)
Über 200 Jahre später steht der Watzmann im Berchtesgadener Land immer noch auf der Wunschliste vieler Bergsteiger ganz oben. "Der Berg ist einfach ein Mythos", sagt der 71-jährige Franz Lechner. Er war schon oft droben auf dem Hauptgipfel und Überschreitungen über die Südspitze hinunter ins Wimbachtal "waren es auch schon einige. Irgendwann hab' ich das Zählen aufgehört", gibt Lechner zu. "Aber die Schönheit dort droben, die hat nie aufgehört."

Sobald der Schnee im Frühjahr auf dem Rückzug ist, fängt der Watzmanntourismus an. "Am Parkplatz an der Wimbachklamm sieht man so allerhand", erzählt Franz Lechner, der immer von hier losgeht. "Gut ausgestattete Wanderer in Funktionskleidung mit guten Bergschuhen und voll bepacktem Rucksack machen sich auf den Weg.

Watzmann
Auf einem schmalen Steig führt der Weg hinauf zum Watzmannhaus auf 1930 Meter.
Aber auch viele, die lieber im Tal bleiben sollten, weil's an allem fehlt." Nur wenige 100 Meter vom Ausgangspunkt entfernt zwängt sich der Bach Wimbach durch ein felsiges, enges Tal. Der kleine Umweg durch die Wimbachklamm lohnt sich aber. Vorbei an der Stubenalm und Mitterkaseralm führt der Weg bald über die Waldgrenze hinaus.

"Dann ist zum ersten Mal die gigantische Kulisse des Watzmanns zu sehen", schwärmt Lechner, "mit Watzmannfrau und den Watzmannkindern." Warum das so ist, erzählt eine Sage. König Watzmann herrschte mit seiner Familie über seine Untertanen. Sie quälten Menschen und Tiere. Eines Tages zerfleischten die königlichen Bluthunde eine Bauersfamilie. Die Altbäuerin verfluchte noch im Sterben den Watzmann und die Seinen.

Infos


Anreise ab Weiden über Regensburg, München, Autobahn Richtung Salzburg, Ausfahrt Siegsdorf, Inzell nach Ramsau (Wimbachbrücke) etwa 350 Kilometer.

Parkplatzgebühr für einen Tag 2,50 Euro. Eintritt Wimmbachklamm ein Euro.

Aufstieg zum Watzmannhaus (1930 m) ab Wimmbachbrück (634 m) durch die Wimmbachklamm drei bis vier Stunden. Übernachtung im Watzmannhaus zwischen 18 (Matratzenlager) und 24 Euro (Zimmerlager). Vom Watzmannhaus zum Hocheck (2651 m) und zur Mittelspitze (2713 m) etwa drei Stunden.

Karten: Kompass Wanderkarte "Berchtesgadener Land und Chiemgauer Alpen"

Watzmannhaus geöffnet von MitteMai bisMitte Oktober. Telefon: 08652/964222
Seitdem stehen sie zu Stein erstarrt. Die Geschichte kennt fast jeder Wanderer, der nach etwa drei Stunden das Watzmannhaus erreicht. "Eine schöne Tagestour, nicht allzu schwer", sagt Lechner. Er will jedoch weiter, so wie immer. Aber erst am nächsten Morgen. Im Unterkunftshaus des Deutschen Alpenvereins mit 210 Schlafplätzen hat er schon fast sein Stammquartier.

"Wenn man von Mai bis Oktober hier oben ist, erlebt man einiges." Pächter Bruno Verst kennt seine Pappenheimer und könnte viele Geschichten erzählen. "Sprücheklopfer sind schon nach wenigen Stunden zurückgekommen. Sie haben umgedreht. Der Respekt vor dem Watzmann war zu groß." Alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind gefordert, wer auf die Mittelspitze will, oder eine Überquerung plant.

"Bis zum Hocheck ist es noch relativ einfach, die Schwierigkeiten kommen erst danach", so Verst. Einen Zacken schärfer und nur etwas für Cracks ist die fast 2000 Meter hohe Ostwand, eine der berüchtigtsten Wände der Alpen. Seit der Erstdurchsteigung 1881 durch Johann Grill, fanden hier schon an die 100 Menschen den Tod. Abschrecken lässt sich davon jedoch kaum jemand. Tausende wollen jedes Jahr hinauf: Der Watzmann ist und bleibt eben ein Mythos.



watzmann
Wie auf einer Kanzel thront das Watzmannhaus. Die Unterkunft des Deutschen Alpenvereins ist optimaler Ausgangspunkt für eine Besteigung oder Überquerung des Watzmanns.


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Wilfried Pickel (217.250.x.x)  |  12.02.2008 17:46 Uhr

Keine vielen Worte war einfach super.


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