Mythos Watzmann
Tausende wollen jedes Jahr auf den Schicksalsberg
Als Valentin Stanic im August des Jahres 1800 in Berchtesgaden losmarschiert, hat er nur eins im Sinn. Der Slowene will als erster Mensch ganz hinauf auf den Gipfel. Nur spärlich ausgerüstet, im Vergleich zu heute, packt der 26-Jährige alle Strapazen und erreicht nach etlichen Stunden sein Ziel: den Hauptgipfel des Watzmanns, die Mittelspitze auf 2713Metern Höhe.
|
| Unbeschreiblich ist die Aussicht auf dem höchsten Gipfel des Watzmanns, der Mittelspitze (2713 Meter). Bilder: Armin Eger (3) |
Sobald der Schnee im Frühjahr auf dem Rückzug ist, fängt der Watzmanntourismus an. "Am Parkplatz an der Wimbachklamm sieht man so allerhand", erzählt Franz Lechner, der immer von hier losgeht. "Gut ausgestattete Wanderer in Funktionskleidung mit guten Bergschuhen und voll bepacktem Rucksack machen sich auf den Weg.
|
| Auf einem schmalen Steig führt der Weg hinauf zum Watzmannhaus auf 1930 Meter. |
"Dann ist zum ersten Mal die gigantische Kulisse des Watzmanns zu sehen", schwärmt Lechner, "mit Watzmannfrau und den Watzmannkindern." Warum das so ist, erzählt eine Sage. König Watzmann herrschte mit seiner Familie über seine Untertanen. Sie quälten Menschen und Tiere. Eines Tages zerfleischten die königlichen Bluthunde eine Bauersfamilie. Die Altbäuerin verfluchte noch im Sterben den Watzmann und die Seinen.
Infos
Anreise ab Weiden über Regensburg, München, Autobahn Richtung Salzburg, Ausfahrt Siegsdorf, Inzell nach Ramsau (Wimbachbrücke) etwa 350 Kilometer.
Parkplatzgebühr für einen Tag 2,50 Euro. Eintritt Wimmbachklamm ein Euro.
Aufstieg zum Watzmannhaus (1930 m) ab Wimmbachbrück (634 m) durch die Wimmbachklamm drei bis vier Stunden. Übernachtung im Watzmannhaus zwischen 18 (Matratzenlager) und 24 Euro (Zimmerlager). Vom Watzmannhaus zum Hocheck (2651 m) und zur Mittelspitze (2713 m) etwa drei Stunden.
Karten: Kompass Wanderkarte "Berchtesgadener Land und Chiemgauer Alpen"
Watzmannhaus geöffnet von MitteMai bisMitte Oktober. Telefon: 08652/964222
"Wenn man von Mai bis Oktober hier oben ist, erlebt man einiges." Pächter Bruno Verst kennt seine Pappenheimer und könnte viele Geschichten erzählen. "Sprücheklopfer sind schon nach wenigen Stunden zurückgekommen. Sie haben umgedreht. Der Respekt vor dem Watzmann war zu groß." Alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind gefordert, wer auf die Mittelspitze will, oder eine Überquerung plant.
"Bis zum Hocheck ist es noch relativ einfach, die Schwierigkeiten kommen erst danach", so Verst. Einen Zacken schärfer und nur etwas für Cracks ist die fast 2000 Meter hohe Ostwand, eine der berüchtigtsten Wände der Alpen. Seit der Erstdurchsteigung 1881 durch Johann Grill, fanden hier schon an die 100 Menschen den Tod. Abschrecken lässt sich davon jedoch kaum jemand. Tausende wollen jedes Jahr hinauf: Der Watzmann ist und bleibt eben ein Mythos.
|
| Wie auf einer Kanzel thront das Watzmannhaus. Die Unterkunft des Deutschen Alpenvereins ist optimaler Ausgangspunkt für eine Besteigung oder Überquerung des Watzmanns. |
Kommentare
Ihre Kommentare werden veröffentlicht in Kooperation mit der best webnews GmbH, Köln.
Ältere Kommentare
Keine vielen Worte war einfach super.

versenden
drucken
Leserbrief
kommentieren


































