Zum Artikel: Zum Kinoprogramm

Zum Kinoprogramm

Alle Filme der Oberpfalz

mehr...
Zum Artikel: Kurz notiert

Kurz notiert

Weitere Neustarts dieser Woche

mehr...
Zum Artikel: Seelenvolle Erzählung

Seelenvolle Erzählung

Noch ein Familiendrama: "So viele Jahre liebe ich Dich"

Der Augenaufschlag der Kristin Scott Thomas ist einfach bezaubernd. Wie nur wenige Schauspielerinnen ihrer Generation versteht sie es meisterhaft, einer von ihr interpretierten Figur ein Geheimnis zu geben. mehr...
  • Seite 1
  • Seite 2
  • Seite 3
Von Christian Vogl  |  17.01.2007  | Netzcode: 10965819

Zombies und Zimbos in der klassenlosen Gesellschaft

"Montag kommen die Fenster" (Deutschland 2006, 91 Minuten. Regie: Ulrich Köhler)

Ulrich Köhlers zweiter Spielfilm projiziert auf der Suche nach einem wahren Leben einen kleinfamiliären Mikrokosmos ohne Sinn und ohne Ziel zwischen Naturalismus und Surrealismus

Montag kommen die Fenster, Szenenfoto
Kann man den Burnout auch löschen? Isabelle Menke im neuen Haus.
In der analytischen Philosophie des Geistes wird viel darüber debattiert, was denn eigentlich das Bewusstsein sei, was genau es sei, das einen psychischen Vorgang oder ein Verhalten bewusst mache und von anderen, unbewussten unterscheide. Dazu nimmt man gerne Anleihen in der phantastischen Kunst und spricht von Zombies, menschenähnlichen Lebewesen, die sich zwar äußerlich, im Handeln und im Sprechen, nicht von Menschen unterscheiden, aber nichtsdestotrotz über keinerlei Gefühlsleben verfügen. Zombies laufen einfach ab wie ein Uhrwerk.

Abgeleitet von dieser bedauernswerten Lebensform des Zombies hat der Amerikaner Daniel Dennett 1991 in seiner "Philosophie des menschlichen Bewusstseins" den Begriff des Zimbos einem breiteren Publikum vorgestellt. Zimbos sind Zombies, die ihrem eigenen Denken und Tun zusehen und darüber nachdenken können, in vielleicht beliebiger Komplexität, so dass sie etwa auch über das Nachdenken über ihr Nachdenken über eine Schmerzreaktion nachdenken können. Und Dennett behauptet, Menschen seien eben dies: Zimbos. Zombies mit einem vielleicht ein wenig eigenartig anmutenden Innenleben.

Regisseure, die der Berliner Schule zugeordnet werden


Christian Petzold
Thomas Arslan
Angela Schanelec
Christoph Hochhäusler
Benjamin Heisenberg
Henner Winckler
Valeska Grisebach
Ulrich Köhler
Jan Krüger
Maren Ade
Sylke Enders
Maria Speth
Quelle: Wikipedia
Die Berliner Schule, eine zur "Neuen Welle" des deutschen Films hochstilisierte lose Gruppe von jungen Filmemacher/innen, scheint sich aufgemacht zu haben, Dennetts These zu veranschaulichen mit dem Blick "von unten", vom niedrigeren Stand des Bewusstseins her. Da sprechen Menschen steif und blass und modulationsarm von ihrer Liebe und ihrer Enttäuschung und dass sie so nicht mehr weitermachen können, als hätten sie eben erst gelernt, den Blick nach innen zu richten und würden jede einzelne Regung und jede neue Ebene der Regungen teils erstaunt, teils verwirrt, teils erschreckt anglotzen. Darüber haben die dann wohl keine Zeit mehr dafür übrig, die Gefühle und ihre Ansichten über das Verhalten ihrer Mitmenschen zu kommentieren oder auch nur zu reagieren.

Dies gilt auch für einige Filmemacher/innen, die vom Feuilleton meist der Berliner Schule zugeschrieben werden, hauptsächlich aufgrund eines gemeinsamen Strebens nach unverfälschter, nicht manipulierter Realität. So konnte ein kleines, reich mit abgründig lauernden Emotionen belohntes Publikum vergangenes Jahr Valeska Grisebachs vielfach preisgekrönten zweiten Langfilm "Sehnsucht" schätzen lernen. Und Ulrich Köhlers zweiter Film "Montag kommen die Fenster" wurde nach ebenfalls rund zweijähriger Produktionszeit fertig.


  • Seite 1
  • Seite 2
  • Seite 3
Kommentare
Ihre Kommentare werden veröffentlicht in Kooperation mit der best webnews GmbH, Köln.
zum Thema

Nochmal genauso (wenig) lustig

Funny Games U.S. (USA 2007) Buch und Regie: Michael Haneke. Kamera: Darius Khondji. Schnitt: Monika Willi. Mit Naomi Watts, Tim Roth, Michael Pitt, Brady Corbet

Michael Hanekes inszeniert den "Funny Games"-Wein in U.S.-amerikanischen Schläuchen, mit wenig Gewinn und wenig Verlust in den Details. Und verliert an den Kinokassen. mehr...

Filmbesprechung

Begehbare Innenräume

David Lynchs neuer Film "Inland Empire"

Warum spaltet jeder Film von David Lynch Zuseher und Kritiker in drei Lager? Auch um "Inland Empire gruppieren sich seit der Vorführung bei den Filmfestspielen von Vendedig 2006 wieder 1. leidenschaftlich um Sinn ringende "Fans", 2. ratlos gähnende oder auf Deutungsverweigerung bestehende "Gegner" und 3. die große Mehrheit, die "solches Zeug" sowieso nicht sehen mag. mehr...

Berlin ist Köln ist überall

Lucy (BRD 2006, 92 min), R: Henner Winckler, B: Henner Winckler; Stefan Kriekhaus, D: Kim Schnitzer, Gordon Schmidt, Feo Aladag, Ninjo Borth

Fortgesetztes Elend der "Berliner Schule": Henner Wincklers zweiter Spielfilm "Lucy" bleibt im Bestreben nach "dem wahren Leben" in der bloßen Reproduktion des Alltags befangen mehr...

Wiederholungszwang und andere künstlerische Neurosen

"Als das Meer verschwand": Debütfilm von Brad McGann

Mit "Als das Meer verschwand" liefert der neuseeländische Filmautor Brad McGann ein emotional eindringliches und technisch solides Debüt ab, dem es zum Kunstwerk jedoch an Aussagekraft, zum Publikumserfolg hingegen an Pointierung fehlt. mehr...

Der Stoff, aus dem Satireträume sind

Filmkritik "Thank you for Smoking": Das Schöne an der Satire ist, dass du niemals Unrecht hast, wenn du mehr als nur gute Witze machst.

Die Tabakindustrie ist seit dem Ende des Nachkriegsbooms als Schädling am volkswirtschaftlichen Gesundheitsbudget in Verruf geraten, ihr Kernprodukt Zigarette vom Lifestyle-Produkt zum Ghettostengel herabgesunken. Warnhinweise auf der Verpackung, Schadenersatzprozesse, schulische Aufklärungskampagnen und Werbeverbote verhindern ein Wiederaufleben des coolen Images. mehr...